Marleaux BassGuitars: Testbericht Marleaux Votan Fünfsaiter
Testbericht aus "Gitarre & Bass" Heft 04/2008
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Wotan heißt der höchste Gott der germanisch/nordischen Mythologie, und indogermansich geht das Wort auf „anblasen, anfachen“ zurück, altnordisch ist eine Verwandtschaft mit „Stimme, Gesang, Leidenschaft“ vorhanden. Kein schlecher Name für das neue Marleaux-Modell.
Wenige deutsche Bassdesigns können sich rühmen, einst von amerikanischen Marken kopiert worden zu sein. Der Marleaux Consat gehört dazu – Jackson hatte ihn in den Neunzigern abgekupfert. Umso schwieriger ist es, mit einem solch starken Charakter im Programm etwas neues zu kreieren, das vor dem alten besteht. Der Consat bleibt natürlich, aber die Fender-inspirieren Marleaux-Modelle Roots und JB werden nun nicht mehr weitergeführt, dafür kommt der neue Votan.
Konstruktion
Ein wenig traditionelle Anlehnung an die eingestellten Linien ist dem Votan tatsächlich anzusehen, wenn man Kopfplatte und Korpusform auf sich wirken lässt. An einem Fender ist der neue Marleaux etwa so nahe dran wie ein Lakland, also in der Ausstattung radikal modernisiert, während die Form zwar eigen ist, aber trotzdem noch den traditionellen Gedanken beinhaltet. Denn die Konstruktion mit aufgeschraubtem Hals aus einstreifig liegendem Ahorn kann man ja tatsächlich als altbewährte Grundsubstanz bezeichnen. Auch besitzt der Votan keine 24 Bünde, das Palisander-Griffbrett endet hinter dem 22. Bundstäbchen.
Es ist also unübersehbar, dass Marleaux mit dem neuen Modell die traditionell verhafteten Kunden weiterhin ansprechen will, das aber mit einem Bass, der mehr markeneigenes Profil zeigt. Und der erscheint auf Anhieb gut gelungen; Gerald Marleaux hat sich wie gewohnt gründlich mit der Materie auseinandergesetzt und ein stimmiges Design entwickelt. Zuerst ist der Fünfsaiter fertig geworden, vier- und sechssaitige Versionen folgen bald.
Augenscheinlich sind tadellose Klanghölzer beim Votan verwendet worden, der Halsahorn (Rock Maple) ist feinzellig und gerade gewachsen, bei dem bis ins violette spielenden Kingwoood-Griffbrett handelt es sich um eine besonders harte und schwere Palisander-Sorte. Für den Korpus kommt, ganz Marleaux, das bewährte Dibetou-Mahagoni zum Einsatz – und zwar zugunsten des Charaktertons einteilig. Die mattschimmernde Silberlackierung gibt dem stark unsymmetrischen Korpus mit dem spritzigen, aus einer Kreisform entwickelten Schlagbrett einen modernen Techno-Touch, der auch gut zur ungewöhnlichen Ausstattung passt. Natürlich präsentiert sich der neue Marleaux in akkurater und präziser Verarbeitung.
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Xtender Pickups
Die harmonische Formensprache des Votan ist das perfekte Entree für die neue Pickup-Form von Delano. Die ovalen Xtender-Tonabnehmer sind übrigens nicht nur optisch etwas Neues, auch das ausgefuchste Innenleben unterscheidet sich von normalen Tonabnehmern. Allzu genaues will der Hersteller natürlich nicht verraten, lässt aber soviel durchsickern, als dass die Xtender andersartige Magnetfelder aufweisen.
Beide Ovalkappen sind mit jeweils vier Spulen gefüllt, so dass in jeder Pickup-Hälfte ein brummfreies Splitcoil-Gebilde arbeitet. Somit lassen sich ohne Nebengeräusche verschiedene Grundschaltungen und Sounds realisieren, z. B. Serienschaltung beider Pickuphälften, Parallelschaltung der Hälften, Quasi-Singlecoil (nur eine Hälfte). Beim Steg-Vierspuler sind die Splitcoil-Spulen so kombiniert, dass zwei J-Splitcoils nebeneinander liegen, was Delano als „Twincoil in Line“ bezeichnet. Anders ist der Ovaltonabnehmer in der Halsposition aufgebaut, wo zwei gekreuzte Splitcoils versetzt wie beim Preci-Tonabnehmer kombiniert sind. In der Serien- und Parallelschaltung macht dies keinen Unterschied, weil sowieso alle Spulen eingeschaltet sind. Aber in der Quasi-Singlecoil-Einstellung ergibt sich dort eine Tonabtastung wie beim klassisch versetzten P-Tonabnehmer.
Ausstattung
Im Votan ist für jeden Xtender-Tonabnehmer ein dreistufiger Kippschalter für die Sound-Wahl vorhanden. Der Tonabnehmer-Mix wird an einem Überblender eingestellt, außer dem Mastervolumen sind noch Bass- und Höhenregler eines aktiven Zweiband-EQs der Tonjustage dienlich. Die beidenb aktiven Klangregler sind in einem doppelstöckigen Poti zusammengefasst. Schaltet man den Votan am Zugschalter des Master-Knopfs auf passiven Betrieb um, wird einer weiter Potiknopf wirksam, nämlich eine passive Höhenblende. Interessanterweise ist die Passiv-Einstellung hier die Grundvariante, dem aktiven EQ schaltet man durch Herausziehen des Master-Knopfs ein. Mit dem Batteriestrom geht der Behn-EQ sehr sparsam um, so dass ein 9-Volt-Block für deutlich mehr als 1000 Betriebsstunden ausreichen wird.
Auf der gerade zurückversetzten Kopfplatte (noch ein Anklang an den Fender-Stil) sitzen gekapselte Schaller-M4-Tuner, wobei ein Niederhalter ausreichenden Satteldruck für die Saiten A und D sicherstellt. Solide Masse ist das Rezept beim Steg, der dreidimensional justierbar ist und von ETS hergestellt wird. Sicherheits-Gurthalter von Schaller und gut gestylte Chromknöpfe gehören zur Metallausstattung des Votans.
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Handhabung
Dieser Fivestring hat nicht die Ausstrahlung eines verspielten Edelteils, sondern ist als solides Arbeitsgerät konzipiert. Und so fühlt sich der Votan auch an. Mit dem flachen, aber doch nicht zu dünnen Hals hat man bei härterer Gangart etwas in der Hand, und auch die 42 mm dicke Korpusplanke bringt verlässliche Masse ins Spiel und liegt auch bei fester Bearbeitung ruhig am Körper. Wozu nicht zuletzt das stattliche Gewicht von knapp 4,6 kg beiträgt.
Klangverhalten
Klanglich ist dieser Bass mit den traditionellen Anklängen eine echte Überraschung, und dafür dürften wohl auch die neuen Delano-Tonabnehmer verantwortlich sein. Denn schon im passiven Modus erscheint der ebenso pfundige wie brillante Ton doch gehörig „aktiv“ und geht in dieser druckstark-drahtigen Art sogar über das hinaus, was man z. B. vom (aktiven) StingRay Bass kennt! Im wahrsten Sinne des Wortes ist dieser frische Ton eine Wucht, mit der man sich im dichten Bandsound impulsstark und markant durchsetzen wird, ohne dass man dazu grobschlächtige Mitten hineindrehen müsste.
Und ziemlich variabel gibt sich der Marleaux obendrein. Schließlich sind für beide Tonabnehmer drei Grund-Sounds an den Kippschaltern abrufbar, vom obertonstarken Quasi-Singlecoil über die clean-tansparente Parallelschaltung hin zum tiefmittenstarken Humbucker-Ton in der seriellen Verdrahtung. Ungemein angriffslustig kommt übrigens der knurrige Growl des Steg-Tonabnehmers rüber, der eine derart offensive Power entwickelt, dass wohl alles bisher dagewesene in den Schatten gestellt wird. Und wir sind immer noch in der Passiv-Eiunstellung!
Beim Einsatz des aktiven EQs fällt auf, dass der Höhenregler eher dezent auf die feinen Highlights abgestimmt ist, während das Basspoti betont kraftvoll zupackt. Bei den Anhebungen stört das überhaupt nicht, da die Delanos ausreichend Präsenzreserven haben, um auch einen übermächtigen Basston in der Balance zu halten. Nur beim unvorsichtigem Wegdrehen der Bässe wird der Votan-Klang dann schnell allzu dürr.
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Resümee
Was der neue Marleaux mit seiner breiten Sound-Palette alles abdeckt, ist imposant. Das geht vom böse drückenden Humbucker-Ton für die Rocker über blitzsauber brillante Marcus-Miller-Sounds bis hin zu kompromisslos offensiver Growl-Nase, sozusagen Jaco im Quadrat. Stark! Dieser Fivestring mit den traditionellen Grundqualitäten ist zudem ein solides Arbeitsgerät und fasst überzeugend die Eigenschaften der nun eingestellten Modellreihen Roots und JB in einer Konstruktion zusammen. Und mehr als das, schließlich haben die starken neuen Xtender-Pickups von Delano hier auch einen gehörigen Anteil an der beeindruckenden Frische, mit der einem der Votan seine Powersounds um die Ohren haut.
Plus
Klangverhalten
Sound-Variabilität
Bespielbarkeit
Ausstattung
Hölzer, Verarbeitung
Minus
Gewicht
Übersicht
Fabrikat: Marleaux
Modell: Votan 5
Gerätetyp: fünfsaitiger E-Bass mit Massivkorpus
Herkunftsland: Deutschland
Mensur: 864 mm, Longscale
Hals: aufgeschraubt; einstreifig Ahorn mit Kingwood-Griffbrett, 22 Bünde plus Nullbund
Halsbreite: Nullbund 47,7 mm
12. Bund 67,7 mm
Saitenabstände Steg: einstellbar; Hersteller-Justierung ca. 19 mm
Korpus: einteilig Dibetou
Oberflächen: matt lackiert
Tonabnehmer: passiv; 2x Delano Xtender Humbucker
Elektronik: passiv/aktiv; Marleaux/Behn Zweiband-EQ
Bedienfeld: 1x Volumen (Zugschalter passiv/aktiv), PU-Überblender, Höhenblende, Doppelpoti Bässe/Höhen
Batterie: 1x 9 Volt
Stromaufnahme: ca. 0,4 mA
Mechaniken: verchromt; gekapselte Schaller M4 Stimmechaniken, Marleaux/ETS-Steg mit dreidimensional justierbaren Saitenreitern und Klemm-Arretierungen, Schaller Security Locks, Knochensattel
Gewicht: ca. 4,6 kg
Vertrieb: Marleaux, D-38678 Clausthal-Zellerfeld
Internet: www.marleaux-bass.com
Preis: ca. € 2350,00
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