Marleaux BassGuitars: Testbericht Marleaux mBass Signature FünfsaiterTestbericht Marleaux mBass Signature Fünfsaiter



Testbericht aus "Gitarre & Bass" Heft 05/2004
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Ein Spitzenbass kann durchaus auch schlicht aussehen. Aber warum so bescheiden und mit den Reizen geizen? Der neue Signature-mBass zeigt jedenfalls mit schamloser Üppigkeit, welcher Klasse er angehört.

Was an edlem Prunk bei der Kundschaft ankommt, unterliegt wechselnden Moden. Der verschwenderische Umgang mit exotischen Hölzern machte die Alembic-Bässe schon in den Siebzigern zur Legende, aber es dauerte nur wenige Jahre, bis mit dem Punk und artverwandten Ausdrucksrichtungen eher einfachste Designs und Ausstattungen das Bühnenbild dominierten. Je abgerissener das Instrument aussah, desto glaubhafter war der Spieler. Ab Mitte der Achtziger etablierte sich dann wieder ein breiter Edelbass-Fankreis mit höchsten Ansprüchen und offen für jede Steigerungsform. Zehn Jahre später sah die Szene hingegen wiederum ganz anders aus: Im Retro-Trend waren dann einfache, puristische Instrumenten-Konzepte am beliebtesten, und wer mit einem Wurzelholz-Bass mit Gold-Hardware zur Session kam, hatte schnell seinen Ruf als Prahler weg. Aktuell ist die Edelschiene wieder voll im Kommen, wie man nicht zuletzt bei der amerikanischen High-End-Bassliga beobachten kann, wo manches Spitzenteil sogar den Preis eines kleinen Neuwagens erreicht. Ganz so kostspielig ist der Signature von Marleaux nicht, aber vergleichbar aufwändig und schön gebaut.

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Konstruktion

Kernstück des mBass-Konzepts ist der "durchgeleimt" Hals: Unter der schönen Decke, hier besonders wild gemasertes Quilted Bubinga, ragt der eingeleimte Hals sehr tief in den Korpus hinein, so dass man mit einer Sustain-Entwicklung wie bei einem durchgehenden Hals rechnen darf, jedoch gleichzeitig nicht auf prägnante Direktheit verzichten muss. Durch das bis zur 16. Lage an den Hals anliegende obere Korpus-Ohr erlangt der Bass zusätzliche Steife. Diese aufwändige Konstruktion erfordert in der Verarbeitung einiges Können und Akuratesse - unser detailstrotzender Signature glänzt mit perfekter Verarbeitung, die Holzoberflächen werden durch den brillanten Hochglanzlack ausgesprochen lecker dargeboten.

Die Korpusbasis fertigt Marleaux aus dem bewährten Swietenia (oder einem Holz nach Wahl), die mit zweilagigem Trennfurnier aufgebrachte Decke kann aus Artwood oder Wurzelhölzern vom Kunden ausgewählt werden. Natürlich bekommt der Signature dann auch einen korrespondierenden Kopfplatten-Belag aus dem gleichen Holz, dort ist in Perlmutt der MarIeaux-Schriftzug eingelegt. Für den rückwärtig in den Body eingelassene Deckel des Elektronikfachs wird Vogelaugen-Ahorn verwendet.

Der Hals ist dreistreifig aus hartem Vogelaugen-Ahorn gebaut, zwischen den stehend/liegend/stehend verarbeiteten Ahornstreifen liegen feine dunkle Trennfurniere. Im tiefschwarzen Ebenholz-Griffbrett zeigt unser Testbass auffällige "Spiegelei". Einlagen, während in der Flanke große Penmutt-Dots als Markierungen angebracht sind. Damit der Spieler nicht die Bundenden der sauber eingesetzten Jumbo-Bund-stäbchen spürt, ist das Griffbrett mit einem Naturholz-Binding aus Riegelahorn eingefasst. Attraktiverweise deckt das Binding aber nicht die gesamte Stärke des schwarzen Griffbretts ab, welches als dunkle Linie zwischen Halsahorn und Binding sichtbar bleibt. Der Fünfsaiter besitzt einen Nullbund und einen Ebenholz-Sattel zur geraden Saitenführung an die Mechaniken.

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Ausstattung

Schwarze Hardware käme bei diesem Nobelteil wohl etwas prolo rüber, verchromte wäre Understatement. Die bis zur kleinsten Schraube vergoldeten Metallteile wirken hier nicht angeberisch, sondern einfach angemessen. Auf der Kopfplatte verrichten gekapselte Schaller-Mechaniken Präzisionsarbeit, der dreidimensional justierbare ETSSteg sichert durch Masse und Klemmarretierungen aller beweglichen Teile erstklassige Klangeigenschaften des Instruments. Sicherheits-Gurthalter von Schaller bewahren das kostbare, aber nicht zerbrechlich gebaute Instrument während des Einsatzes.

Die Tonabnehmer sitzen in schwarzen Ebenholz-Kappen, am Steg ein Marleaux Jazzbucker und am Hals ein Singlecoil mit - J-Geometrie. Zur Mischung dient ein Überblendregler, der Master-Volumen-Knopf ist gleichzeitig der Zugschalter für den Aktivbetrieb. Bei herausgezogenem Knopf arbeitet ein aktiver 3-Band-EQ die Pickup-Signale auf, in der Passiv-Einstellung steht eine passive Höhenblende zur Verfügung. Damit die vielen Einstellmöglichkeiten nicht die Optik des mBass belasten, sind alle vier Klangregler in zwei konzentrischen Doppel-Potis zusammengefasst. Ein kurzer Kippschalter erlaubt noch die Umschaltung des Jazzbuckers auf Singlecoil-Betrieb, wozu die stegnähere Spule genutzt wird. Natürlich entsprechen Abschirmung und die saubere Elektronik-Verarbeitung dem übrigen hohen Standard des Instruments.

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Handhabung

Fast 4,6 kg bringt der Fivestring auf die Waage, er schöpft seine Tonqualität nach altbewährtem Prinzip aus der gesunden Masse. Am Gurt fühlt sich das aber keineswegs unangenehm an, weil die Balance gut ausgewogen ist und das Gewicht günstig verteilt. Bei erwachsenen Abmessungen und weiten Saitenabständen (20 mm; und sie lassen sich sogar noch breiter einstellen, da bietet auch das Griffbrett Reserven) spielt sich der Longscale bemerkenswert leichtgängig, präzise und mühelos. Die Saiten sind vom Hersteller extrem niedrig eingestellt, was man natürlich nur machen kann, wenn die Bundstäbchen sehr gleichmäßige Höhen aufweisen. In dieser Einstellung reagiert der Marleaux mit geradezu abrupter Direktheit auf feinste spielerische Andeutungen, und er wird seine beachtliche Sensibilität gewiss auch bei wesentlich höher eingestellten Saiten weitgehend behalten.

Ein Problem zeigt der noble Testbass allerdings bei der hart angeschlagen A-Leersaite, die störende Schnarrgeräusche von sich gibt. Bei einem Edelbass dieser Klasse ist natürlich der Hersteller in der Pflicht, dass ein solches Problem nicht beim Kundeninstrument auftritt.
 
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Klangverhalten

Obwohl die Korpusbasis aus einem Holz der Mahagoni-Familie besteht, ist die Gesamtabstimmung des Instruments von gewogener Härte und Direktheit bestimmt. Das harte Deckenholz sowie die ebenfalls harte und steife Halskonstruktion fördern einen drahtig-präzisen Ton. In der Ansprechsensibilität und der Modulationsfähigkeit lockt Marleaux so das Maximum an Detailfeinheit aus dem Holzbass heraus. Der Signature bietet dem Spieler somit ein enormes, fein nuanciertes Ausdruckspotenzial. Davon verschlucken die hervorragenden Tonabnehmer nichts und vermögen es gleichzeitig sehr überzeugend, dem drahtigen Ton die angemessene Knurrigkeit und Fülle zu verleihen. Die offene Detailfreudigkeit wird ohne Schärfe, aber auch ohne Abstriche filigran übertragen, die klar gezeichneten Bässe kommen nicht überstraff, sondern mit einer eleganten Elastizität und klar umrissenen Konturen zur Geltung. Die beiden Tonabnehmer bereichern die Palette durch ihre verschiedenen Eigencharaktere, mit cleaner Offenheit der Singlecoil, mit fett-drückenden Mitten (Humbucker) oder knurriger Präsenz (Singlecoil-Einstellung) der Jazzbucker am Steg. In der Mittelstellung des Überblendreglers tritt eine deutliche Auslöschung mittiger Frequenzen auf, was dem mBass dann einen cleanen FunkSound beschert.

Mit den aktiven Klangreglern und der zusätzlichen Höhenblende (die sinnvollerweise nur in der Passiv-Einstellung wirkt) kann man den Toncharakter gezielt formen, wozu man wegen der konzentrischen Poti-Knöpfe aber spitze Finger braucht. Saftig tiefe, enorm druckstarke Bässe können im Übermaß abgerufen werden, während der Höhenregler mit praxistauglicher Zurückhaltung auf den Attack-Klick wirkt. Mit unverhohlen offensiver Durchsetzungskraft agiert wiederum der Mittenregler, er lässt aber bei Abdämpfungen genügend tiefe Mitten stehen, damit bei FunkSounds nicht das Pfund verloren geht. Hochinteressant ist bei diesem Instrument das Klangverhalten bei extrem angehobenen Bassfrequenzen; da der Grundklang der Holzkonstruktion so betont präzise und straff ist, bewältigt der Marleaux auch diesen superdruckvollen, voluminös-satten Subbass-Sound ohne störendes Gedröhne. Somit hat der Signature auch betont bassige Varianten in höchst überzeugender Weise auf Lager. Und seine detailfein-drahtigen Passiv-Klänge sind erste Wahl fürs Recording.

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Resümee

Das neue Signature-Modell vom mBass feiert mit schamloser Opulenz einen detailstrotzenden Edel-Kult. Doch bekommt man hier nicht nur rein optische Delikatessen geboten, auch die Seele des Instruments zeigt sich ausgesprochen hochklassig. Maximale Detailfeinheit und hervorragende Ansprech-Sensibilität zaubert der Hersteller aus einer ausgeklügelten Holz-Konstruktion hervor und kombiniert dies mit erstklassiger Elektronik, die den feinen Holzton wiederum enorm wandlungsfähig macht. Der Testbass ist dabei nur ein Beispiel, denn wie der Name des Modells besagt, ist es ein Signature-Bass, wo der Kunde z. B. über die Auswahl der Hölzer den letztendlichen Charakter des Instruments selbst mitbestimmen kann. Marleaux beweist mit diesem edlen Instrument jedenfalls seine hochgradige Kompetenz für Spitzen-Bässe.

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Plus:
- Klangverhalten
- Sensibilität
- Sound-Möglichkeiten
- Bespielbarkeit / Balance

Minus
- Bedienung Klang-Potis
- Leersaitenschnarren A-Saiter

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Technische Daten

Fabrikat: Marleaux
Modell: mBass Signature 5
Gerätetyp: fünfsaitiger E-Bass mit Massivkorpus
Herkunftsland: Deutschland
Korpus: Basiskonstruktion aus Swietenia, Decke aus Quilted/Spalted Bubinga
Oberfläche: Hochglanzlack
Hals: "durchgeleimt"; dreistreifig Vogelaugenahorn mit Ebenholz-Griffbrett und Riegelahorn-Einfassung 24 Bünde + Nullbund
Halsbreite: Nullbund 46 mm,
XII. Bund 67 mm
Saitenabstände Steg: einstellbar, Herstellerjustierung 20 mm
Mensur: 864 mm, Longscale
Mechaniken: vergoldet; gekapselte Schaller M2000-Stimmmechaniken, ETS-Tuning-Fork-Steg mit Klemmarretierungen, Schaller Security Locks
Tonabnehmer: passiv; 1 x Marleaux-Jazzbucker mit Ebenholzkappe, 1x Marleaux-Singlecoil mit Ebenholzkappe
Elektronik: aktiv; 3-Band-Equalizer mit zusätzlicher Passiv-Höhenblende
Bedienfeld: Volumen (Push/Pull Aktiv/Passiv), PU-Oberblendregler, Singlecoil-Schalter für Jazzbucker, Höhenblende passiv, Höhen aktiv, Mitten aktiv, Bässe aktiv
Batterie: 1 x 9 Volt
Stromaufnahme: ca 0,40 mA
Gewicht: ca. 4,6 kg
Vertrieb: Marleaux D-38678, CIausthal-Zellerfeld

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