Marleaux BassGuitars: Testbericht Marleaux mBass Custom FünfsaiterTestbericht Marleaux mBass Custom Fünfsaiter



Testbericht aus "Gitarre & Bass" Heft 02/2001
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Eher selten gelingt es einem Hersteller, eine neue Form zu etablieren, die von den alten Vorgaben des Fenderbasses deutlich abweicht. Marleaux ist mit dem M-Bass ein guter Wurf gelungen, und nun wird die M-Serie in der Custom-Ausführung zusätzlich veredelt.

Wie in der normalen M-Serie, werden brandneuen die M-Bass custom Bässe als Vier-, Fünf- und Sechssaiter gebaut. Herzstück ist auch hier der "durchgeleimte" Hals, eine Spezial-Konstruktion, welche das lange Sustain und die Tonkultur eines durchgehenden Halses mit dem prägnanten Ton der Schraubhals-Bauweise verbinden soll. Attraktive Holz-Kompositionen präsentieren den M-Bass custom als nobles Schmuckstück, und auch ein zweiter Tonabnehmer ist hier hinzugekommen.

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Konstruktion

Der Hals unseres Fünfsaiters ist einteilig aus hartem Vogelaugen-Ahorn mit liegenden Jahresringen gebaut und besitzt ein Griffbrett aus Pau Ferro. Die Ahorn-Basis des Halses ragt bis zu den Tonabnehmern In den Korpus hinein, ist von vorne durch einen Deckenbelag, von hinten durch einen Ahornstreifen abgedeckt. Wie bei einem Bass mit durchgehendem Hals sind beim M -Bass die Korpus-Seitenteile aus Riegelahorn angeleimt. Der attraktive Deckenbelag, hier wurde besonders schön gezeichnetes Movingui-Frisé-Holz mit einer dunkel kontrastierenden Trennschicht aufgeleimt, ist alsodreiteilig. Auch die Ahorn-Korpusteile weisen eine wilde Zeichnung auf, und ohne Frage kommen hier ausschliesslich Klanghölzer erster Güte zum Einsatz.

Im Griffbrett sitzen 24 Jumbo-Bünde plus Nullbund, die weißen Positionsmarkierungen in der Griffbrettflanke sind auch bei ungünstiger Beleuchtung gut erkennbar. Die Kopfplatten-Konstruktion ist besonders dick und schwingfest ausgelegt, was einem sustainstarken und obertonreichen Sound zugute kommt. Der Marleaux ist perfekt verarbeitet, seine schönen Hölzer werden durch eine seidenmatte Versiegelung attraktiv, aber nicht prahlerisch präsentiert. Edle Details wie das dunkel abgesetzte Kopfplattenfurnier, ein Sattel aus Ebenholz und der E-Fach-Deckel aus Vogelaugenahorn untermauern den hohen Anspruch dieser Marke.

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Ausstattung

Auf der Kopfplatte sind gekapselte Kluson Stimm-Mechaniken im Gotoh-Look montiert. Der elegante Tuning-Fork-Flachsteg wird von ETS gefertigt und bietet dreidimensionale Justiermöglichkeiten ohne klappernde Einzelteile, denn hier werden nach dem Justieren alle beweglichen Teile durch Klemmschrauben festgesetzt. Die arretierbaren Schaller-Security-Locks sitzen leicht versenkt im Korpusholz. Zum großen MarleauxJazzbucker im MM-Stil wurde beim Custom-Modell ein zusätzlicher, schmaler Singlecoil-Tonabnehmer in der Halsposition eingebaut. Beide Tonabnehmer besitzen noble Kappen aus Ebenholz und arbeiten passiv. Beim zweispuligen Jazzbucker sind per Kippschalter die zwei Betriebsarten Humbucker und Singlecoil wählbar, Steg- und Hals-PU per Überblendregler mischbar.

Der Master-Volumen-Regler ist mit Zugschalter-Funktion auch gleichzeitig der Umschalter für aktiven oder passiven Betrieb des Basses. In der Aktiv-Einstellung mit herausgezogenem Knopf ist der Zweiband-EQ eingeschaltet, dessen Klangregler für Höhen und Bässe in einem doppelstöckigen Konzentrik-Poti zusammengefasst sind. Interessant am M-Bass-Konzept ist die zusätzliche passive Höhenblende.

Mit einer Stromaufnahme von nur etwa 0,4 mA geht die EQ-Schaltung ausgesprochen sparsam mit dem Batteriestrom um, so dass man nur sehr selten nach dem Saftspender zu schauen braucht. Nichtsdestotrotz ist der E-Fach-Deckel mit Gewindeschrauben fixiert, die in den Metallmuffen im Korpusholz auch nach hundertmaligem Hereindrehen noch sicheren Halt finden werden. Selbstverständlich ist das gesamte E-Fach lückenlos und sehr akkurat mit abschirmender Kupferfolie ausgekleidet. Noch ein feines Detail: In der Zarge des Marleaux sitzt keine gewöhnliche Rohrbuchse; wegen der besseren Kontaktgabe hat man hier eine Einbaubuchse mit mehr Kontaktdruck montiert, auch wenn das deutlich mehr Arbeit bereitet.

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Handhabung

Der M-Bass besitzt als Fünfsaiter volle Saitenabstände wie ein Viersitzer, vom Hersteller auf 19 mm am Steg justiert. Die rechte Hand findet sich also auch bei festerer Gangart spielend auf dem M custom 5 zurecht. Auch der flache Hals mit dem breiten Griffbrett bietet viel Raum für temperamentvolles Agieren, liegt aber dennoch günstig in der Hand. Bei voll erwachsenen Maßen gibt sich der Marleaux leicht beherrschbar, wozu nicht zuletzt die bemerkenswert niedrig einstellbare Saitenlage beiträgt. Mit 4,4 kg ist dieser Fivestring als Mittelgewicht einzustufen. Am Gurt hängt die ungewöhnliche Korpusform günstig ausbalanciert, ohne dass Kopflastigkeit auftritt.

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Klangverhalten

Die Konstruktion des M-Modells bringt etliche vielversprechende Voraussetzungen für einen kerngesunden Ton mit. Eine relativ hohe Korpusmasse ist für einen fundierten, sustainstarken Ton immer günstig. In diesem Fall wird der Hals zudem noch durch den oben weit ausladenden Korpus wirksam gestützt, was Klangverluste durch Biegeschwingungen des Halses reduziert. In die gleiche Richtung wirkt auch der besonders stabil gebaute Headstock des Instruments, und die erlesenen, dicht gewachsenen Hölzer, die hier verarbeitet wurden, machen ebenfalls einen erstklassigen Eindruck. Der M custom 5 gibt sich gut durchdacht, und mit ähnlich ausgefuchsten Bauweisen wie beim "durchgeleimten" Marleaux-Hals erreichen amerikanische Spitzenbässe wie von Ken Smith oder Fodera absolutes High-End-Niveau.

Und genau das kann man auch dem Marleaux bescheinigen. Quer übers Griffbrett steht der Ton zuverlässig mit kaum enden wollendem Sustain, und wo sich bei anderen Holzbässen die unvermeidlichen ,,Deadspots" finden, klingen die entsprechenden Töne beim M custom 5 immer noch so gleichmäßig ausgewogen und lang, dass hier praktisch kaum Abweichungen auszumachen sind. Das beeindruckende Sustain Potenzial darf zudem ohne Nachteile genossen werden. Anders als bei vielen besonders sustainstarken Instrumenten mit durchgehendem Hals, neigt der M-Bass nicht zu einem weichen, schweigend-trägen Tonanfang, sondern spricht präzise und mit knackig-prägnantem Kick an. Was der Hersteller für die ungewöhnliche Halskonstruktion verspricht, löst das Instrument in ausgesprochen überzeugender Weise ein. Die nobel in Ebenholz verpackten Marleaux Tonabnehmer machen bei der Übertragung der tollen Tonkultur eine gute Figur. Schön offen und gewogen werden alle Klangbereiche detailfein in filigraner Auflösung präsentiert, ohne zu vergessen, dass man es hier mit einem Bass zu tun hat, der seine Kraft aus einem tiefen, festen Fundament zu schöpfen hat. Soweit die Singlecoil-Einstellungen. Als Humbucker geschaltet, fügt der Jazzbucker hier noch eine charakterstarke, mittige Nuance mit solider Punchbass-Basis hinzu, und allein am Überblendregler hat man somit schon ein beachtlich vielfältiges Klangspektrum abrufbereit. Toller Bass, tolle Tonabnehmer!

Die Wirkung der aktiven Klangregler passt zur vollendeten Ausgewogenheit der Grund-Sounds: Dezent auf feine Nuancierungen abgestimmt, kann man dem Ton damit den letzten Schliff verleihen, aber auch extreme EQ-Einstellungen verdecken niemals den ursprünglichen Charakter. Nichtsdestotrotz ist am Bässeregler ein effektives Punch-Pfund abrufbar, was den M-Bass zur druckvollen Funkmachine macht. Und bei abgeschaltetem Aktiv-EQ steht die passive Höhenblende bereit für milde vintage-orientierte Klänge, was die weite Sound-Palette des Wunderteils abermals bereichert. Grundsätzlich ist auch bei neutral eingestellten Klangreglern ein hörbarer Unterschied zwischen aktiver und passiver Einstellung wahrnehmbar, wobei die passive Variante ein wenig körperstärker und wärmer rüberkommt.

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Fazit

Geradezu unglaublich reich an feinsten Klangnuancen und Tondetails präsentiert sich die edle Custom-Version des M-Basses. Die aufwendige Konstruktion aus erstklassigen, attraktiven Hölzern erzeugt einen kerngesunden, besonders sustainstarken Ton mit präzisem, prägnantem Anschlag Kick, der von den ebenfalls hervorragend abgestimmten Tonabnehmern in bestmöglicher Weise detailfein und bassgerecht übertragen wird, Jede Feinheit erscheint bei diesem M custom 5 perfekt austariert, und man bekommt hier eine weitgefächerte Palette an kultivierten Edel-Sounds geboten, die zweifellos in der absoluten Spitzenliga spielen


Plus

- Klangverhalten
- Sound-Vielfalt
- Schaltung
- Tonabnehmer
- Ausstattung
- Abstimmung
- Bespielbarkeit
- Verarbeitung

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Technische Daten


Fabrikat: Marleaux
Modell: mBass custom 5 Bass
Gerätetyp: fünfsaitiger E-Bass mit Massivkorpus
Herkunftsland: Deutschland
Mensur: 864 mm, Longscale
Hals: "durchgeleimt"; einstreifig Ahorn mit Pau-Ferro-Griffbrett, 24 Bünde plus Nullbund
Halsbreite: Sattel: 45 XII. Bund: 66 (mm)
Saitenabstände Steg: einstellbar; Hersteller-Justierung 19 mm
Korpus: angeleimte Riegelahorn-Seiten teile, dreiteiliger Deckenbelag aus Mavingui Frisé
Oberflächen: seidenmatt lackiert
Tonabnehmer: passiv; 1 x MarleauxJazzbucker, 1 x MarleauxSinglecoil; Tonabnehmer mit Ebenholz-Kappen
Elektronik: aktiv/passiv; Zweiband EQ und passive Höhenblende
Bedienfeld: Volumen mit Zugschalter aktiv/passiv, PU-Überblendregler, passive Höhenblende, Bässe/Höhen aktiv in konzentrischem Poti
Batterie: 1x 9 Volt
Stromaufnahme: ca. 0,45 mA
Mechaniken: schwarz; gekapselte Kluson-Stimmechaniken, ETS -Steg mit dreidimensional justierbaren Saitenreitern und Klemm-Arretierungen, Schaller Security Locks, Ebenholzsottel
Gewicht: ca. 4,4 kg
Vertrieb: Marleaux D-38678 Clausthal-Zellerfeld

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