Marleaux BassGuitars: Testbericht Marleaux Consat Straight I. ViersaiterTestbericht Marleaux Consat Straight I. Viersaiter



Testbericht aus "Gitarre & Bass" Heft 11/2003
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Manchmal sind von den Edelmarken gerade die einfacheren Instrumente hochinteressant, weil man hier zu einem günstigeren Preis von der handwerklichen Kompetenz und den Know How des Herstellers profitiert. Unser schlichtes Marleaux-Testmodell ist jedenfalls auch ohne opulente Nobel-Attribute ein Instrument der Spitzenklasse.

Das Straight mit aufgeschraubtem Hals ist das preisgünstigste Modell im Consat-Design und wirkt in der Erscheinung ausgesprochen geradlinig und schnörkellos. Wer auf das schwelgende Sustain eines durchgehenden Halses schwört, bekommt den Straight gegen Aufpreis auch in dieser Konstruktionsweise, auch der standardmäßige Zweiband-EQ kann gegen eine optionale Dreiband-Klangregelung ausgetauscht werden. Der Testbass ist mit dem aktiven Dreiband-EQ bestückt, ein weiteres Extra ist der orange gebeizte Body. Übrigens wird das Modell als 4-, 5- und 6-saiter angeboten.

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Konstruktion

Unser Straight Bolt On besitzt einen aufgeschraubten Hals, der mit beachtlicher Akkuratesse in die exakt passend ausgefräste Korpustasche eingesetzt ist und dort durch sechs Schrauben "bombenfest" fixiert ist. Auch eine auf den ersten Blick einfache Aufgabe kann man mit auffälliger Sorgfalt lösen, wie Marleaux an diesem Detail vormacht. Der Hals ist einstreifig aus "liegendem" Ahorn gebaut und mit einem aufgeleimten Ahorn-Griffbrett versehen, in dem 24 Jumbobünde und ein Nullbund sitzen. Wiederum zeigt sich die Verarbeitung auffällig sauber und präzise. Der Korpus ist zweiteilig aus der Mahagoniart Dibetou gebaut und wie der Hals mit einer dünnen Schicht Seidenmattlack versiegelt.


Ausstattung

Auf den ersten Blick sehen die gekapselten Schaller-Stimmechaniken ungewohnt aus, und tatsächlich ?stimmt? hier etwas nicht. Denn die Schaller M4 sind bei unserem Testbass mit den Drehflügeln von Gotoh-Tunern bestückt, was möglicherweise aus Gründen der Gewichtsersparnis geschehen ist, weil die Gotoh-Flügel ein wenig zierlicher als die originalen Schaller sind. Zur Standardausstattung gehören Secutity Locks.

Beim Steg lässt sich Marleaux auf keine Kompromisse ein und bestückt auch das preisgünstigste Bassmodell mit dem bewährten Tuningfork-Design von ETS. Dreidimensionale Justierbarkeit mit Klemm-Arretierung aller beweglichen Teile hatte ETS einst mit diesem elegant gebauten Stegmodell populär gemacht.

Produkte aus deutschen Landen bevorzugt Marleaux auch bei der Elektro-Ausstattung. Im Korpusholz sitzt ein Delano-Humbucker in MM-Bauform, per Kippschalter kann zwischen Singlecoil- und Humbucker-Betrieb gewählt werden. Die zuschaltbare Aktiv-Elektronik hat Wofgang Behn zusammen mit Marleaux entwickelt; im Testbass sitzt die optionale Dreiband-Ausführung mit Klangreglern für Bässe, Mitten und Höhen. Zu diesen drei Klangreglern und den beiden kurzen Kippschaltern gesellt sich noch ein Mastervolumenregler.

Batterie- und Elektronikfach sind mit Klappdeckeln veschlossen; wegen der recht engen Einpassung des E-Fach-Deckels lässt sich dieser ab nicht ganz werkzeugfrei öffnen, wenn man nicht seine Fingernägel gefährden will. Die Stromaufnahme der aktiven Elektronik liegt bei knapp 1,4 mA, was mit einer guten Alkaline-Batterie etwa 350 Spielstunden erlaubt.

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Handhabung

Ein Ergebnis der bemerkenswert präzisen Fertigung ist die extrem niedrig einstellbare Saitenlage beim Marleaux, ohne dass störende Bundgeräusche auftreten. Noch komfortabler geht es nicht, und auch wegen der angenehm ergonomischen Halsform spielt der Straight fast von selbst!
Am Gurt bemerkt man den Viersaiter fast gar nicht, weil er nur knapp 3,1 kg auf die Waage bringt und durch die ausgereifte Korpusform auch noch neutral ausgewogen am Körper hängt. In der Handhabung verdient der Consat Straight ohne jeden Abzug die Bestnote, leichtgängiger kann ein Bass nicht sein!

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Klangverhalten

Aufgrund des geringen Gewichts ist das Klangverhalten dieses hochwertigen Instruments etwas rätselhaft: Woher nimmt der Longscale dieses kerngesunde Sustain und den präzise und schwingfreudig anspringenden Ton? Man kann das nur auf die harte Ahornqualität des Halses und das günstige Zusammenwirken mit dem leichten Dibetou-Korpus zurückführen, wobei natürlich auch die niedrige Saitenlage einer langen Klingdauer förderlich ist.

Helle Hölzer, heller Ton: Auch von anderen Instrumenten kennt man die glasige Präsenz und klare Artikulation eines Ahorn-Griffbretts, die der Marleaux mit einem stimmig-straffen Bassfundament kombiniert. Sein explizit durchsichtiger Ton lässt sich sehr exakt kontrollieren und begeistert mit sensibler Ansprache und stets konkreten Konturen; auch mächtige Bass-Anhebungen bringen den Straight nicht aus der Contenance, undifferenziertes Gewummer kennt dieses Instrument nicht!

Infolge dessen wirkt der aktive Bässeregler hier eher etwas zu zurückhaltend, während er auf einem "weicheren" Bass wohl tadellose Ergebnisse bringen würde. Bei Bass-Abdämpfungen kommt der Straight daher recht dürr und gitarrenhaft rüber, während er bei den Anhebungen durchaus noch mehr sattes Tiefenpfund sauber verarbeiten könnte. Der Mittenregler bearbeitet angemessen die nasale Durchsetzungskraft, der Höhenregler arbeitet dezent und passend die silbrigen Brillanzschmatzer im Drahtton heraus.

Für charakterstarke, fette Rocksounds ist der Consat Straight nicht gerade ausgelegt, agiert aber umso überzeugender, wenn es um offene, betont cleane Klangbilder mit filigraner Detailplastik geht. Virtuoses Spiel bringt dieser Viersaiter mit bestechender Klarheit, Impulsgenauigkeit und Präzision rüber und wird damit Slapper, Funker, Pop- und Fusion-Spieler begeistern!

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Resümee

Es muss nicht immer das Spitzenmodell sein - auch eine geradlinig gebaute Basis-Ausführung kann wirkliche Highend-Qualitäten besitzen. In der Handhabung sichert sich der einfache Consat Straight ohne jede Einschränkung die absolute Bestnote, denn leichgängiger kann ein E-Bass nicht spielbar sein. Und sein klarer, enorm präziser und kerngesund schwingender Ton ist geradezu ein Wunder, wenn man das rekordverdächtig geringe Gewicht des Instruments bedenkt. Das preisgünstigste Marleaux-Modell begeistert als Spitzenbass für alle Stilrichtungen, wo ein präsenter, straff konturierter Klang mit expliziter Detailwürdigung und Durchsichtigkeit günstig ist. Manchmal ist weniger eben auch mehr, und man bekommt hier für einen günstigen Preis Grundqualitäten geboten, die kein noch so teurer Edelbass wirklich übertreffen kann.

Plus:
Klangverhalten
Präziser Sound
Bespielbarkeit, geringes Gewicht
Ausstattung, Hardware, Holzqualität
Präzise Verarbeitung

Minus:
Abstimmung Bässeregler

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Technische Daten

Fabrikat: Marleaux
Modell: Consat Straight 4
Gerätetyp: viersaitiger E-Bass mit Massivkorpus
Herkunftsland: Deutschland
Mensur: 864 mm, Longscale
Hals: aufgeschraubt; einstreifig Ahorn, Ahorngriffbrett,
24 Jumbobünde plus Nullbund
Griffbrettbreite: Nullbund 40 mm, 12. Bund 55 mm
Saitenabstände Steg: einstellbar; Herstellerjustierung 20 mm
Korpus: zweiteilig Dibetou
Oberflächen: Seidenmattlack
Tonabnehmer: passiv; 1x Delano MM-Humbucker
Elektronik: aktiv; Marleaux/Behn 2-Band-Equalizer, optional 3-Band
Batterie: 1x 9 Volt
Stromaufnahme: ca. 1,4 mA
Bedienfeld: Volumen, Singlecoil-Schalter für MM-Humbucker,
Bässe, Mitten, Höhen, Aktiv/Passiv-Umschalter
Mechaniken: schwarz; gekapselte Schaller
Stimmmechaniken, ETS Tuning Fork Steg mit
Klemmarretierungen, Schaller Security Locks
Gewicht: ca. 3,1 (kg)


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