Marleaux BassGuitars: Testbericht Consat Straight II Vier- und Fünfsaiter
Testbericht aus "Gitarre & Bass" Heft 11/2004
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Marleaux Straight II (Vier- und Fünfsaiter) Obwohl die Modellpalette der beliebten Company aus dem Harz mittlerweile recht umfangreich geworden ist, gibt es doch ein Design-Konzept, welches sich von der ersten Stunde bis heute behaupten konnte. Dieses Standardmodell nennt sich "Consat" und ist geprägt von der unverwechselbaren Body-Form und der Marleaux-typischen Kopfplatte.
Die Plattform des Consats diente in der inzwischen schon recht langen Firmengeschichte für die verschiedensten Varianten. Vom superedelen Signature, über den anspruchsvoll ausgestatteten Custom, bis hinunter zum schnörkellosen Basic reicht dabei die Spanne, die Mitte der 90er Jahre noch um ein "Brot und Butter"-Modell, den "Straight" nach unten erweitert wurde. Inzwischen ist die Nachfrage nach raffinierteren Bässen insgesamt wieder deutlich gestiegen, so dass die Harzer nun auf Basis dieses Straight-Modells eine zeitgemäßere Version mit der unspektakulären Bezeichnung "Straight II" ins Angebot genommen haben. Technische Merkmale - Schraubhalsbauweise (6-Punkt) - einteiliger Ahornhals - Pao Ferro Griffbrett - Ebenholzsattel - zweiteiliger Ahornkorpus - verchromte (4-Saiter) bzw. schwarze (5-Saiter) Hardware - Schaller M 2000 Mechaniken - ABM-Brücke (4-Saiter) / ETS-Brücke (5-Saiter) - Schaller Security-Lock Endpins - Häussel / Marleaux-Tonabnehmer - Behn / Marleaux-3-Band-Elektronik - Mattlackierung (bordeaux / blau)
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Konstruktion & Verarbeitung
Die einfache Bauweise der Straight-Bässe macht zwar dem Namen alle Ehre, doch trotz des Verzichtes auf optische Leckereien merkt man den beiden Testbässen in vielen Details an, dass sie aus einer der führenden Edelbass-Schmieden Deutschlands stammen. So weisen auch diese geradlinigen Ableger der Consat-Serie die liebevoll verrundeten Korpuskanten und die gleiche makellose Verarbeitung der nobleren Modelle auf. An diversen Konstruktionsmerkmalen zeigt sich, dass auch in den Straight-Bässen noch viel Handarbeit steckt. Darüber geben zum Beispiel die extrem passgenauen Fräsungen, sowie die perfekt ausgeführte Bundierung Aufschluss.
Auch der Halsübergang in den Korpus verdient eine besondere Erwähnung. Denn obwohl der Übergang sehr abrupt stattfindet, hat man das Gefühl, dass sich das D-förmige Halsprofil bis zum letzten Milimeter des Halses erstreckt. Da der Korpus bei den Consat-Bässen den Hals erst in Höhe der letzten Bünde umschliesst, wurde bei den Schraubhals-Ausführungen zur Schaffung einer ausreichenden Auflagefläche eine Halsverlängerung bis zum vorderen Tonabnehmer vorgenommen. Anders als bei den ersten Straight-Modellen hat man diese Halszunge nun in der gleichen Farbe wie den Korpus lackiert. Dies bietet sich auch an, da die Bodies der IIer-Serie ebenso wie der Hals aus Ahorn gefertigt werden. Kommt bei den Hälsen kanadischer Ahorn zum Einsatz, so haben sich die Harzer für die Korpusfertigung vor der Haustür bedient. Das aus Niedersachsen stammende Holz weist neben einer unerwartet hübschen Flammung allerdings einige kleine Risse aufgrund von Astlöchern auf. Wie man mir bei Marleaux mitteilte, würde man Hölzer mit solchen "Fehlern" nur in Absprache mit dem Kunden verwenden.
Anders als bei den Topmodellen sind die rückseitigen Elektronikfach-Abdeckungen nicht aus dekorativen Hölzern gefertigt, sondern als simples Kunststoff-Schnappfach ausgeführt, welches man blitzschnell mit zwei Fingernägeln öffen kann. Dieser schnelle Zugriff ist allerdings nicht zwingend erforderlich, da sich im Inneren keine für den Benutzer relevanten Bauteile befinden. Die Platine liegt bei den Straights lose aber sicher auf einer Schaumgummimatte, und die Abschirmung mit Kupferfolie ist absolut lückenlos und darf auch bei diesen Marleaux-Bässen als vorbildlich bezeichnet werden. Bezüglich der Elektronik- und Hardware-Ausstattung ist bei diesen Bässen nichts mehr von dem ursprünglichen Economy-Konzept zu spüren. Zwar schlägt die aktive Dreiband-Ausführung mit 160 Euro extra zu Buche, doch bereits in der Passiv-Version sind die Straights mit den handgefertigten Pickups aus dem Hause Häussel bestückt. Die Spulen befinden sich in schmucken Ebenholz-Gehäusen, und endlich einmal ragen die grossen Polepieces nicht über die Oberfläche hinaus. Entgegen dem vollkommen unsinnigen Trend, die Magnete weit aus dem Gehäuse herausstehen zu lassen, dürfte die sogar leichte versenkte Marleaux-Bauweise auf grosse Zustimmung aller Bassisten treffen, die es leid sind, ihre Pickups herunterschrauben zu müssen, nur damit die Saiten beim Slappen nicht auf die Polepieces knallen. Die optional erhältliche Elektronik wird von dem deutschen Preamp-Papst Wolfgang Behn hergestellt, und ist mit einer Zweiband-Klangregelung (f. 100 €) oder mit dem von uns getesteten Dreiband-Equalizer erhältlich. Im Passivbetrieb stehen die Regler für Volumen und Balance zur Verfügung, sowie ein Splitschalter für den Steg-Humbucker. Im Aktiv-Modus werden diese Funktionen um einen Mittenregler und ein konzentrisches Tandempoti für Bässe (unterer Ring) und Höhen (oberer Ring) ergänzt. Bedauerlicherweise scheint es keine schwarzen Oberflächen für die Minischalter und die Klinkenbuchsen, bzw. keine verchromten Reglerknöpfe zu geben, sonst hätte man das Hardware-Design sicherlich einheitlich gestalten können. Aber diese optische Ungereimtheit dürften wohl die Wenigsten als störend empfinden.
Fazit: Trotz der konventionellen Holz-Konstruktion merkt man den Straight II Bässen aufgrund ihrer qualitativ hochwertigen Ausstattung und der erstklassigen Verarbeitung deutlich die Erfahrung der Harzer Hersteller im Edelbassbau an. Die Instrumente geben ein stimmiges Bild ab, und es gibt keine Details, die man in ihrer Funktion noch verbessern müsste.
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Komfort / Bespielbarkeit / Service
Auch wenn die Consat-Bodies auf den ersten Blick recht ausladend wirken, so ist es Gerald Marleaux doch gelungen, ein Korpus-Design zu entwickeln, welches grossflächig und zierlich zugleich ist. Tatsächlich bringt der erwachsen erscheinende Fünfsaiter gerade einmal vier Kilogramm auf die Waage. Durch das lange obere Korpushorn und die weit nach hinten verschobene untere Body-Hälfte hängt der Consat perfekt ausbalanciert am Gurt. Und auch im Sitzen kann die Formgebung ihre Pluspunkte ausspielen. Dank der nur leicht asymetrisch versetzten Taille zieht es den Hals nur wenig nach unten, und bereits das leichte Gegenlegen des Greifhanddaumens stabilisiert den Bass in der korrekten Spielposition. Ein klassisches Bauch-Shaping auf der Rückseite würde auf einem solchen Bass nicht wirklich schlüssig aussehen, und so muss man sich mit der runden Zarge begnügen. Hat man den Straight in einer etwas tieferen Trageposition hängen, so dass die obere Korpuskante genau unter dem Rippenbogen verläuft, sitzt der Bass allerdings wie angegossen. Überhaupt scheint bei diesen Instrumenten alles am rechten Platz zu sein. Dank des weit herausstehenden Halses lässt sich sogar der 24. Bund noch bequem erreichen, wobei das lange Korpushorn dafür sorgt, dass die tiefen Lagen nicht in weite Ferne rücken.
Aufgrund der gewissenhaft ausgeführten Bundabrichtung und der Verwendung eines Nullbundes lässt sich auf den Straights eine sehr niedrige Saitenlage realisieren, so dass man trotz der bodenständigen Bass-Konzeption auch auf diesen Marleauxs wieselflink agieren kann. Da die Saiten sehr dicht über dem Korpus verlaufen, lässt sich die G-Saite beim Poppen entsprechend leicht anlupfen. Freunde der Plektrumtechnik müssen sich allerdings mit einem Hindernis in Form des Split-Minischalters auseinandersetzen. Durch seine exponierte Position ist es nahezu unausweichlich ihn beim "Schruppen" versehentlich umzulegen. Die Idee, ein wichtiges Bedienelement zur Soundgestaltung schnell erreichbar zu machen, ist ja grundsätzlich nicht verkehrt. Konsequenterweise hätte man dann aber auch den Balanceregler nach oben legen müssen, da erst durch das Zusammenspiel dieser beiden Elemente die grundlegenden Soundveränderungen vorgenommen werden. Da sich die Potis und Schalter nicht auf einer Platine befinden, kann sich der Kunde im Bedarfsfall selbstverständlich die für ihn optimale Konstellation der Bedienelemente wünschen. Wunschlos glücklich kann man angesichts der einfachen Ausführbarkeit der Routinearbeiten wie Saiten- und Batteriewechseln sein. Die Saiten lassen sich bequem in die Aufnahmeöffnungen der Flachstege aus deutscher Produktion einhängen, und die Batterie muss nur in ein Fach ohne zusätlichen Clip gedrückt werden. Da sich der Fachdeckel ohne Werkzeug öffnen lässt, kann man einen Batteriewechsel also problemlos zwischen zwei Titeln auf der Bühne durchführen. Aber auch etwas seltener anfallende Arbeiten, wie z.B. das Einstellen des Spannstabes, lassen sich mal eben so "im Vorbeigehen" erledigen, da der Zugriff auf den Spannstab nicht durch eine Abdeckplatte versperrt wird, und die Einstellschraube sahnig und direkt anspricht.
Fazit: Trotz der erwachsen wirkenden Dimensionen handelt es sich bei den "straighten" Consats um erstaunlich schmusige Bässe mit vorzüglichen Handlings-Eigenschaften. Sowohl die Bespielbarkeit als auch die Servicefreundlichkeit kann man nur als vorbildlich bezeichnen.
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Klang
Der Straight sollte von seiner ursprünglichen Konzeption her nicht nur preisgünstig sein, sondern auch das Marleaux'sche Angebot um einen eher rockig abgestimmten Bass erweitern. Auch in der zweiten Auflage ist man dieser Zielsetzung treu geblieben.
Die Kombination von einem Schraubhals mit einem Ahornkorpus soll dabei noch mehr Druck bringen als die erste Version mit einem Dibetou-Body. Tatsächlich liefern die neuen Straights einen sehr straffen Ton, der bereits akustisch stark von dem obertonreichen Ahorn geprägt ist. Dadurch wirken sie deutlich härter als die bekannten Schraubhalsbässe aus Kalifornien. Interessant ist es dabei festzustellen, wie sich die im Prinzip baugleichen Vier- und Fünfsaiter voneinander unterscheiden. Tatsächlich spricht der Viersaiter - den Gesetzen der Physik folgend - lebendiger und resonanter an, da hier weniger Masse in Schwingung gebracht werden muss. Der Fünfsaiter wirkt dagegen etwas mittenärmer und gezügelter, wenngleich sich das Timbre von beiden Instrumenten nur wenig unterscheidet. Eingestöpselt setzt sich dieser erste Eindruck fort, wobei die charakterstarken Tonabnehmer beiden Bässen eine typische Färbung verleihen.
Im Passivmodus, der ja die Grundlage für die Straight-Idee bildet, können beide Testbässe bereits ihre Stärken ausspielen. Bei Verwendung des hinteren Singlecoils erhält man speziell beim Viersaiter einen sehr direkten und durchsetzungsstarken Sound. Beim Fivestring bewirkt diese Pickupeinstellung einen etwas runderen Ton mit viel Growl. Den effektivsten Sound erzielt man bei beiden Bässen mit Hilfe des MM-Style Humbuckers. Der massive Lautstärkesprung und die zusätzlichen Mitten lassen darauf schliessen, dass der Pickup seriell verdrahtet wurde. Auch in dieser Betriebsart präsentiert sich der Fünfsaiter-Sound dichter und tragender, wohingegen der Fourstring konkret und punktgenau die Noten abbildet. Mischt man nun den vorderen Pickup dazu, erscheint der Klang bei beiden Bässen eleganter und kompakter. Durch die fehlenden Mitten ist diese Einstellung aber bei weitem nicht so durchsetzungsstark wie die reinen Stegtonabnehmer-Varianten. Auch der allein betriebene vordere Singlecoil sorgt eher für einen flächigen, röhrigen Klang, der beim 5-Saiter noch etwas Motown-mäßiger rüberkommt als beim Vierer.
Verwendet man die aktive Klangregelung (was ohne Lautstärkesprung möglich ist!) wird der Sound grundsätzlich deutlich kristalliner und rückt näher ans Ohr. Speziell beim Zusammenschalten von zwei Spulen entsteht ein moderner Slap&Popp-tauglicher Sound, der trotz gewisser Tonabnehmerähnlichkeiten an keine von Onkel Leo's Kreationen erinnert. Besonders erwähnenswert ist die Arbeitsweise des Höhenreglers - selbst bei Maximalanhebungen bleiben ätzende Höhen und starkes Rauschen aussen vor. Speziell der Viersaiter liefert bei vollem Trebleboost eine unglaubliche Drahtigkeit, die sich dennoch homogen ins Gesamtbild einfügt. Vorsichtig sollte man hingegen mit Bassanhebungen und Mitten-Cuts umgehen, da die Frequenzauswahl der beiden Regler massive Eingriffe in den entsprechenden Registern bewirkt. Wer den Straight II in erster Linie als Rockbass verwenden möchte, könnte theoretisch sogar auf die aktive Ausstattung verzichten - die entscheidenden Sounds sind schliesslich bereits mit der Passivelektronik realisierbar.
Fazit: Das rockig ausgelegte Konzept der Straight-Bässe wird speziell bei dem Viersaiter auf den Punkt gebracht. Entpuppt sich der Fünfsaiter eher noch als Allrounder, so gibt es bei dem kleinen Bruder richtig was auf die Ohren! Mit seiner direkten und drahtig lebendigen Ansprache kann man nun auch mit einem Marleaux die Marshall-bewaffneten Gitarrenkollegen im Regen stehen lassen.
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Resümee
War der Straight I seinerzeit die günstigste Möglichkeit an einen Marleaux zu gelangen, so präsentiert sich der Straight II mit seinem rockig abgestimmten Soundkonzept als zusätzliche Bereicherung in der Consat-Serie. Mit einem Einstiegpreis von 1.400 Euro für einen passiven Viersaiter erwirbt man ein Instrument, das charaktevolle Klangausprägung mit hoher Fertigungsqualität vereint.
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Technische Daten
Maße & Daten Viersaiter & (Fünfsaiter)
Herkunftsland: Deutschland
Fabrikat: Marleaux
Modell: Consat Straight 4- & 5-Saiter
Mensur: 864 mm
Halsbreite - Sattel: 40 (45,5) mm
Halsbreite - 12. Bund: 55 (67) mm
Halsdicke - 1. Bund: 21 (22) mm
Halsdicke - 12. Bund: 24 mm
Anzahl der Bünde: 24 + 0-Bund
Stringspacing - Sattel: 10,5 (9)mm
Stringspacing - Steg: 20 (19) mm ab Werk
Spulenabstand v. Brücke: 52/76 u. 133 mm
Batterie / Verbrauch: 9 Volt / 1,37 mA
Gewicht: 3,6 (4) kg
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