Marleaux BassGuitars: Testbericht Marleaux Consat Straight I. FünfsaiterTestbericht Marleaux Consat Straight I. Fünfsaiter



Testbericht aus "Gitarre & Bass" Heft 6/1996
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Gerald Marleaux hat die Schlichtheit wieder entdeckt. Nicht daß er fortan von aufwendigen Bässen mit schönen Holzkompositionen lassen würde... Aber die neue "Straight"-Serie ist, wie der Name schon sagt, vornehmlich geradeaus konstruiert und soll eine Brücke schlagen zwischen altbewährten Bauprinzipien und dem modernen Marleaux-Know-how

Wenn man das helle Ahorn-Griffbrett und den breiten MMK-Humbucker sieht, wird es bei manchem Basskenner klingeln: Sind das nicht die besonderen Merkmale eines höchst erfolgreichen US-Basses? Bei genauerer Untersuchung der Konstruktionsweise werden sich weitere Ähnlichkeiten mit dem Klassiker herausstellen, so daß man den Marleaux auch als "Sting Straight" bezeichnen könnte. Das neue Schlicht-Modell ist mit vier, fünf und sechs Saiten zu haben, und normalerweise sind die Holzoberflächen matt versiegelt. Auf Wunsch ist auch eine farbige Mattlackierung erhältlich, zur Wahl stehen die Farben schwarz, grau, violett und grün. Unser Testbass ist mit einer aktiven Dreiband-Klangregelung ausgestattet, die diesem Modell aber nur gegen Aufpreis gewährt wird. Standard ist hier, wie beim Music Man, ein Zweiband-EQ.

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Konstruktion

Marleaux hat für den Straight-Bass die bewährte Consat-Silhouette beibehalten, allerdings ist das Instrument insgesamt schlichter gearbeitet, was sich natürlich auch im Preis bemerkbar machen sollte. Beim Korpus, der aus leichtem Dibetou-Holz besteht, wurde auf aufwendige, rückseitige Shapings verzichtet, allerdings besteht der Body aus einem Holzstück. Auch der aufgeschraubte Hals (sechsfache Verschraubung!) ist einfacher gebaut als bei anderen Consats. Getreu alten Prinzipien ist er einstreifig aus Ahorn gearbeitet, wobei die Jahresringe des hochwertigen "Rock Maple" liegen. Das aufgeleimte Ahorn-Griffbrett ist klarlackiert, damit es nicht so schnell verschmutzt, und mit 24 Jumbobünden plus Nullbund bestückt. Zierrat wie Kopfplatten-Aufleimer und ähnliches wurden beim Straight-Bass konsequent weggelassen, was der Tonqualität nicht unbedingt abträglich sein muß. Vielmehr sagt die Erfahrung, daß ein solcherart einfach gebauter Bass, wenn die Qualität stimmt, sogar aufwendigen Konstruktionen bezüglich Charakter und Prägnanz überlegen sein kann. Und daß dieser ehrliche Straight-Fünfsaiter in jeder Hinsicht perfekt aus hochwertigen Hölzern gearbeitet ist, steht außer Frage.

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Ausstattung

Die schwarze Hardware steht dem hellen Bass sehr gut, aber verchromte Teile würden wohl den versteckten Klassiker stärker hervorheben. Gekapselte Gotoh-Tuner erlauben präzises Feinstimmen, Arretierbare Schauer-Gurthalter fixieren das edle Stück sicher am Gurt. Der elegant geformte Marleaux-Flachsteg stammt aus dem ETS-Sortiment und bietet dreidimensionale Justiermöglichkeiten ohne Geklapper und Sutainverluste, da hier sämtliche Einzelteile nach der Einstellung durch Klemmschrauben festgesetzt werden. Beim Bartolini-MMK-Humbucker handelt es sich um einen Replacement-Pickup für Music Man-Bässe, den ursprünglich kaum jemand beachtet hatte. Da in der letzten Zeit aber einige Basshersteller das Sting-Ray-Konzept für sich entdeckten, kommt nun auch dieser Tonabnehmer vermehrt zum Einsatz, zumal Music-Man das Originalteil konsequent nicht ohne den dazu gehörenden Bass herausrücken mag.

Das Bedienfeld des Consat Straight besteht aus zwei bzw drei Klangreglern, einem Volumenpoti und zwei kleinen Kippschaltern. Der eine wird als Bypass-Schalter für den Aktiv-EQ (Aktiv/Passiv) verwendet, der andere stellt zwei Grundspunds des Tonabnehmers (Humbucker/Singlecoil) zur Wahl.

Elektronikfräsung und Batteriefach sind bei diesem Marleaux statt mit schönen Holzdeckeln nur mit schnödem Kunststoff verschlossen. Der Batterie fordert die Elektronik einen Ruhestrom von immerhin ca.1,3 mA ab. Das ergibt zwar noch eine hinreichend lange Lebensdauer für den Saftspender, ist aber etwa dreimal soviel, wie eine vorbildlich sparsame Schaltung (z. B. Ken Smith) benötigt. Auch wenn die neue EQ-Platine, die trotz moderner SMD-Miniaturtechnik noch unnötig groß ausfällt, hier nur schräg ins E-Fach hineingelegt werden konnte, ist an der sauberen Elektronik-Verarbeitung sonst nichts auszusetzen.

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Handhabung

Der Begriff "Handhabung" beschreibt an sich schon die Bespielbarkeit des neuen Marleaux-Ahornhalses: Man hat hier ordentlich was in der Hand. Obwohl der breite Hals keineswegs dünn wirkt (was sicherlich dem Ton zugute kommen wird), scheint der Straight-Fivestring nicht unkomfortabel oder gar schwer zu spielen. Das mag am leicht unsymmetrischen Halsprofil liegen, welches den Hals im Bereich der höheren Saiten dünner werden läßt. Zum anderen ist dafür auch sicherlich die sorgfältige Bundierung verantwortlich, die ohne störendes Scheppern bemerkenswert flache Saiteneinstellungen erlaubt. Trotzdem ist der Consat Straight ein Bass, der dem Spieler statt zartem Gefiddel eher festes und bodenständiges Geradeausspiel nahelegt.

Als Actionbass für die Bühne qualifiziert sich der Marleaux zudem noch durch sein angenehm geringes Gewicht. Auch ohne schweren Korpus hängt er hinreichend stabil und ohne Kopflastigkeit am Gurt.

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Klangverhalten

Durch Konstruktion und Ausstattung sind bei diesem Fünfsaiter die Weichen schon in eine bestimmte Richtung gestellt. Ungemein offensiv und druckfreudig geht der Straight zu Werke, das aber ohne unangenehme Härte, was wohl den liegenden Jahresringen im Hals zu verdanken ist. Sirrender Draht zeichnet den Ton konturenscharf heraus, und so liefert der Marleaux seinen enorm satten Punch ganz ohne Gewummer. Besonders in der Humbucker-Einstellung fetzt der Fivestring derart los, daß er auch ohne EQ-Hilfe bereits druckvoller als die allermeisten Aktivbässe rüberkommt. Sein beeindruckendes Klangspektrum schöpft dieser Bass aus der gelungenen Abstimmung zwischen offensiv-bassiger Druckcharakteristik und kristall-klarer Tonartikulation. Und kommt einem dabei nicht auch das leicht näselnde, hohle Timbre bekannt vor? Ohne Frage besitzt der Straight-Spund die grundsätzlichen Qualitäten eines Sting Ray, wirkt aber bei ähnlicher Klangausprägung noch dynamischer, fetziger und lebendiger.

Die Singlecoil-Einstellung bietet noch eine hellere, knochigere Variante des tollen Grundspunds, und eigentlich ist der Ton des Marleaux so ausgewogen und perfekt, daß man zunächst gar nicht daran denkt, sich der Klangregler zu bedienen. Der Grundklang des Straight mag perfekt sein und nicht durch EQ-Eingriffe zu verbessern; aber manchmal benötigt man im Bandspund "kranke" Spunds, das heißt, besonders prägnante, ungewöhnliche Klangcharaktere. Und während man bei vielen Edelbässen den EQ dazu benutzt, das grundsätzliche Klangverhalten zu vervollkommnen, macht man es beim Marleaux andersherum. Von einem perfekten Grundspund ausgehend, ist der EQ dafür da, ein gewisses Ungleichgewicht in den Ton zu bringen, damit sich, z. B., Solopassagen und Breaks deutlicher abheben. Der stets prägnante Ton des Straight beflügelt die Phantasie und kann einen Bandsound, gleich welcher Stilrichtung, nur bereichern.

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Resümee

Der Grundgedanke eines "Marleaux Sting Ray" läßt sich an einigen Stellen einwandfrei nachweisen, und tatsächlich liefert der Consat Straight überzeugende Spunds nach bester Music Man-Art. Soweit schon sehr ordentlich, aber dieser Fünfsaiter geht noch deutlich über den Status einer gelungenen Kopie hinaus! In puncto Offensivität und Lebendigkeit zeigt das geradlinige Teil anderen Aktivgeräten schon passiv, wo der Hammer hängt. Und flexibel ist er im Klang auch noch, er vermag die ganze Palette von Jazz über Funk und Rock bis zum Grunge mit Spitzenspunds zu beliefern. Antesten!

Fabrikat: Marleaux
Modell: Consat Straight 5
Gerätetyp: fünfsaitiger E-Bass mit Massivkorpus
Herkunftsland: Deutschland Mensur: 864 mm, Longscale
Hals: aufgeschraubt; einstreifig Ahorn, Ahorn-griffbrett, 24
Jumbobünde plus Nullbund
Griffbrettbreite: Sattel 45; XII. Bund 66 (mm)
Saitenabstände Steg: einstellbar; Justierung 19 mm
Korpus: einteilig Dibetou
Oberflächen: seidenmatt versiegelt
Tonabnehmer: passiv; Bartolini MMK Humbucker
Elektronik: aktiv; 2-Band-EQ, optional 3-Band-EQ (Aufpreis)
Bedienfeld: Volumen, 2 bzw. 3 Klangregler, Schalter Aktiv/Passiv, Schalter Humbucker/Singlecoil
Mechaniken: schwarz; gekapselte Gotoh-Stimmechaniken, ETS Tuning-Fork-Steg mit Klemmarretierung, Schaller Security Locks
Gewicht: ca. 3,5 (kg)

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