Marleaux BassGuitars: Testbericht Consat Sopran Private Signature
Testbericht aus "Gitarre & Bass" Heft 01/2008
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Beim Auspacken des Pakets im Lager: Die haben sich vertan! In so einem Köfferchen kann kein Bass sein. Zumindest kein normaler. Aber der Sopran-Bass von Marleaux will ja auch gar kein normaler Bass sein. Bass irgendwie ja, normal nein. Das winzige Teil unterbietet in der Mensurlänge jeden Shortscale um die Hälfte und liefert trotzdem einen starken Ton. Ein optimales Reise-Instrument, wobei der Marleaux allerdings so hochwertig und nobel gebaut ist, dass man dann schon wieder Angst vor Langfingern haben muss. Hier geht es also nicht nur um das Praktische, sondern zuerst um ungewöhnlichen Spielspaß!
Konstruktion
Beim Blick auf die Preisangabe wieder der erste Eindruck: Die haben sich vertan! Haben sie aber nicht, denn das kleine Instrument benötigt vielleicht etwas weniger Holz, ist aber ansonsten auf höchstem Marleaux-Standard, eben wie ein großer Bass gebaut. Und es handelt sich zusätzlich um eine „Private Signature“-Ausführung, wo der Hersteller alle Register zieht.
Beim dreistreifigen Hals aus kanadischem Bergahorn weist der mittlere Streifen liegende Jahresringe, die äußeren Streifen stehende auf. Zwischen den Ahornstreifen sitzen dunkle Trennfurniere, vorne ist ein tiefschwarzes Ebenholz-Griffbrett aufgeleimt. Darin finden sich 24 feine, sorgfältig polierte Bundstäbchen plus Nullbund und Ebenholzsattel. Die abgewinkelte Kopfplatte ist durch einen Frontaufleimer aus erstklassigem Riegelahorn verziert, der in der Korpusfarbe hochglanzlackiert ist.
Mit sechs Schrauben ist der aufwändig gebaute Hals in der passgenauen Korpustasche fixiert. Beim kleinen Korpus handelt es sich um eine Sandwich-Konstruktion mit Riegelahorn-Kern, auf den mit zwischengelegten Trennfurnieren jeweils zweiteilige Zierbeläge für Decke und Boden aufgeleimt sind. Superfeines Riegelahorn in AAAAA-Qualität wird hier verwendet, hochglänzend transparent in Tigerblack Burst lackiert. Verarbeitung und Holzqualität sind beim Sopran-Bass rundum spitze, so dass dieses wertvolle Instrument gewiss mehr als ein Gag ist.
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Ausstattung
Zum atemberaubenden Preis tragen sicher auch einige Spezialitäten bei, wie zum Beispiel die Spezialanfertigung des kleinen Stegs. Kompromisse wären in dieser Preislage dem Kunden schwer vermittelbar, also handelt es sich um eine exakte Verkleinerung des dreidimensional justierbaren Marleaux-Stegs mit Klemmarretierungen. Gekapselte Präzisions-Tuner von Schaller sitzen auf der Kopfplatte, sicher am Gurt gehalten wird der teure Sopran-Bass von Schaller Security Locks.
Für die Abnahme der vier Saiten ist ein zweispuliger Humbucker der Marke Delano eingesetzt, der einzig vorhandene Regler ist für den Ausgangspegel zuständig. Ehrlich gesagt: Diese Passiv-Elektronik wirkt im Vergleich zum sonst getriebenen Aufwand ziemlich schlicht, ich hätte wenigstens einen Aktiv-EQ mit kleinen Potiknöpfchen erwartet.
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Handhabung
Der Sopran Bass wird in einem solide gebauten Flightcase geliefert. Innen ist die Schaumstoff-Füllung exakt für die Silhouette des Instruments ausgeschnitten. Was nicht zur sonstigen Perfektion passt, ist der nachträglich eingelegte Schaumstoff-Streifen, der den Hals zusätzlich unterfüttern soll. Im Preis enthalten ist außerdem ein hochwertiger Gurt der superkomfortablen Marke Comfort Strap, wo der Hersteller für den Kunden sicherlich noch die passenden Gurtstücke der Security Locks vormontieren wird.
Zu den ganz großen Stärken des Instruments gehört die leichte Bespielbarkeit, und zwar mit Bassistenfingern. Bei der superkurzen 540-mm-Mensur sollte man meinen, dass sie sich sehr eng anfühlt und sich bei bassmäßigem Spiel die Finger gegenseitig im Weg stehen. Dem ist erstaunlicherweise nicht so, weil der Sopran Bass einen erwachsen geformten Hals mit voller Breite und entsprechende Saitenabstände besitzt, so dass sich der Kurzbass wie ein Bass und nicht wie eine Gitarre spielt. Saubere Intonation und abenteuerliche Flitzereien sind hier kein Problem, und erstaunlicherweise hängt der 2,2 kg leichte Winzling nicht nur vollkommen ausgewogen am Gurt, sondern auch noch in einer ausgesprochen günstigen Spielhaltung.
Zum Test ist der Marleaux mit der Stimmung D-G-C-F angekommen, aber die aufgespannten Roundwounds mit den Stärken .080“ bis .030“ (die höchsten Saiten eines Sixstings) erlauben natürlich auch in gewissen Grenzen andere Tunings.
Klangverhalten
Zur Ausstattung gehört noch ein amtlicher Octaver mit besonders vielfältigen Einstellmöglichkeiten. Hier ist nicht nur die erste Suboktave abrufbar, sondern auch die zweite. Und eine Oktave herauf kann der Octavium von Exar den Ton auch verschieben, alle drei Effekte stehen wegen der separaten Zumisch-Regler auch gleichzeitig zur Verfügung, was aus dem Sopran-Bass eine orchestrale Fülle hervorzaubern kann.
Auf effektmäßige Hilfsmittel ist der Marleaux indes nicht angewiesen, denn er gibt einen strahlenden und betont kraftvollen Piano-String-Ton heraus, mit kerniger Schwingfreude und reichlich Sustain. Das ergibt einen durchsetzungsstarken, intensiven Solo-Sound mit markanter Präsenz, der starke Melodien souverän in den Vordergrund setzen kann, aber auch höchst sensibel auf feine spielerische Varianten reagiert.
Greift man beherzt zu, dann perlen die Töne sauber bis in die Kompression; bei diesem solide gebauten Instrument darf man ohne weiteres auch richtig Pfund auf die Saiten geben, ohne dass der Perlton schmutzig wirkte. Interessant ist ein derart blitzsauberer und gediegener Klangcharakter natürlich auch für die Effektbearbeitung, zumal die relativ hohe Stimmlage jeglichen Kuddelmuddel selbst bei extremer Effekt-Dosierung vermeidet.
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Resümee
Beim Preis schauen wir besser mal weg, denn der wird für die allermeisten Interessenten an einem schönen Solobass indiskutabel sein. Allerdings geht es bei diesem exklusiven Stück auch gar nicht darum, weite Kreise anzusprechen, sondern auch bei einem exotischen Spezialinstrument höchste Güte und Klangqualität zu realisieren. Und da ist der Aufwand eben nicht geringer als bei einem erwachsenen Bass. Der edle Supershortscale wird auch den anspruchsvollsten Musiker zufrieden stellen, das ist hier nicht die Frage. Sondern eher, wer sich ein solch kostspieliges Stück leisten mag.
Plus
Klangverhalten
Sustain, strahlender, intensiver Ton
Bespielbarkeit, Spielspaß
Hölzer, Verarbeitung
Minus
Hoher Preis
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Übersicht
Fabrikat: Marleaux
Modell: Consat Sopran Private Signature
Gerätetyp: viersaitiger E-Bass mit Massivkorpus
Herkunftsland: Deutschland
Mensur: 540 mm, Extra-Shortscale
Hals: aufgeschraubt; dreistreifig Ahorn mit Ebenholz-Griffbrett, 24 Bünde plus Nullbund
Halsbreite: Sattel 40 mm, 12. Bund 50 mm
Saitenabstände Steg: einstellbar; Hersteller-Justierung von 16,5 bis 18 mm
Korpus: Riegelahorn-Kern mit zweiteiligen Riegelahorn-Belägen für Decke und Boden
Oberflächen: Koropus u. Kopfplatte hochglänzend lackiert, Hals geölt
Tonabnehmer: passiv; 1x Delano Humbucker
Elektronik: passiv
Bedienfeld: 1x Volumen
Mechaniken: verchromt; gekapselte Schaller-Stimmechaniken, Marleaux/ETS-Steg mit dreidimensional justierbaren Saitenreitern und Klemm-Arretierungen, Schaller Security Locks, Ebenholzsattel
Gewicht: ca. 2,2 kg
Vertrieb: Marleaux, D-38678 Clausthal-Zellerfeld
Internet: www.marleaux-bass.com
Preis: Basisversion ca. € 2500, Testgerät ca. € 4400 inkl. Zubehör
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