Marleaux BassGuitars: Testbericht Marleaux Consat Fretless Fünfsaiter
Testbericht aus "Gitarre & Bass" Heft 3/1994
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Zählt man zu einem Basismodell die vielen Spezialausführungen wie Fretless, Five- oder Sixstring hinzu, so kommt dabei schon eine umfangreiche Modellpalette zusammen. Aber anders als sonst oft, baut Marleaux die verschiedenen Ausführungsvarianten des Consat nicht allesamt nach gleichem Rezept, sondern sucht stets nach konstruktiven Optimierungen für jede einzelne Variante.
Der Consat Edition Fretless ist zwar im Grunde das bundlose Pendant zum Consat Bolt On Bass, aber in vielerlei Hinsicht eben doch etwas anders gebaut und ausgestattet, um klanglich das Maximale für Fretless-Fans aus der Schraubhalskonstruktion herauszukitzeln. Längst nicht jeder Hersteller gibt sich solche Mühe, und ohne Gerald Marleauxs Idealismus und Experimentierfreude wären seine Instrumente wahrscheinlich auch nicht so herausragend. Sympathisch auch, daß Marleaux aus seinen konstruktiven Kniffen und Tricks kein Geheimnis macht und keinen falschen Mythos um seine - anerkannterweise erstklassigen - Elektrobässe aufbauen will. Für den Kunden bedeutet dies letzten Endes mehr Transparenz: Man weiß, was man für sein Geld bekommt.
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Konstruktion
Einen Schraubhals besitzen bei dieser Marke nicht die Billigmodelle - auch wenn die Bolt-On-Modelle gegenüber den Ausführungen mit durchgehender Halskonstruktion preisgünstiger angeboten werden können. Der dreistreifige Ahornhals ist mit sechs Schrauben besonders stabil mit dem großen, einteiligen (!) Maccoree-Pommele-Korpus verbunden. Sorgfältige Überlegungen und Versuche haben bei diesem Bass aber zu einer ungewöhnlichen Ausführung der Hals/Korpus-Verbindung geführt, was man dem Fretless-Fünfsaiter von außen freilich nicht ansieht.
Um einen knurrigeren Ton und direkteres Ansprechen zu fördern, hat Marleaux nämlich die Auflagefläche des Halsendes in der Korpusausfräsung verkleinert, indem er dort zwei Nuten in den Hals eingefräst hat, und auch die Halskanten wurden etwas abgefräst. Der Hals liegt hier also nur auf zwei sorgfältig plangeschliffenen Stollen auf: Die ansonsten je nach Paßgenauigkeit der Korpusfräsung mehr oder weniger innige Verbindung zwischen Halskanten und Korpusholz wurde hier aufgehoben, weil sie laut Gerald Marleaux eher den Ton dämpft als gesundem Sustain förderlich ist. Das sind interessante Überlegungen, und in jedem Fall leuchtet ein, daß sich bei dieser Konstruktionsweise der Kontakt zwischen Hals und Korpus genauer definieren läßt und das Klangergebnis dadurch kalkulierbarer wird.
Von der Kopfplatte bis zum Hals-PU ist die gesamte Hals-Vorderseite mit Ebenholz verkleidet, ins Griffbrett sind für alle 24 Lagen feine Ahorn-Markierungsstreifen eingelegt. Als Nullbund-Saitenauflage dient ein dünner Messingstreifen, und der Ebenholz-Sattel ist hier nur für die Saitenführung zuständig.
Die Deckel für Elektronik- und Batteriefach auf der Korpusrückseite sind aus Vogelaugenahorn gefertigt, und alle Holzoberflächen sind beim Consat Fretless Edition mit einer griffigen, dünnen Hartlackschicht seidenmatt versiegelt. Perfekte Verarbeitung ist bei Marleaux selbstverständlich.
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Mechaniken
Arretierbare Schaller-Gurthalter und gehaspelte Gotoh-Prärisionsmechaniken sind ebenfalls Standard. Beim Tuning-Fork-Flachsteg, der vom deutschen Hersteller ETS geliefert wird, handelt es sich um eine spezielle Custom-Ausführung. Bei diesem dreidimensional justierbaren Steg besteht die massive Basisplatte aus Aluminium, die Saitenreiterschlitten aus Messing und die eigentlichen Saitenauflagen aus Stahl. Diese ungewöhnliche Materialzusammenstellung wurde mit Bedacht für das bundlose Modell ausgewählt, um den charakteristischen Fretless Ton zu fördern. Alle beweglichen Einzelteile des Stegs werden durch Klemmschrauben fixiert, die Saiten können bequem von oben eingehängt werden.
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Tonabnehmer/Elektronik
Die passiven Humbucker im Soapbar-Format tragen die Typenbezeichnung SB-50 und werden von Basstec hergestellt. Wolfgang Behn steuert die Aktivelektronik bei, und speziell für den Fretless wurde nun eine Aktiv/Passiv-Umschaltung entwickelt. Anders als bei der üblichen Behn/Marleaux-Klangregelung sind hier nicht mehr die Einsatzfrequenzen der einzelnen Klangregler programmierbar, sondern arbeiten in fest eingestellten Frequenzbereichen. Wahlweise ist natürlich auch weiterhin der programmierbare Behn-EQ zu haben, der freilich keinen Passiv-Betrieb des Instruments zuläßt. Die im Testbass verwendete Dreiband-Klangregelung kostet gegenüber der ebenfalls lieferbaren Zweiband-Ausführung ca. DM 80,- Aufpreis.
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Praxis
Mit etwa 4,5 kg bringt der massive Holzbass ein solides Gewicht auf die Waage, was man ihm am Gurt aber wegen der günstigen Gewichtsverteilung und der ausgewogenen Balance nicht anmerkt. Natürlich ist ein solch ausgewachsener Fünfsaiter nicht so wendig beim Bühneneinsatz wie z. B. ein Headless, aber dafür bürgt der große Korpus für stabilen Halt des Instruments in jeder gewählten Spielposition. Obwohl recht flach geformt, weist der Hals gute Standfestigkeit auf. Auf dem kaum gewölbten, linierten Ebenholzgriffbrett hißt es sich sauber intonieren, und insgesamt ist der Marleaux mit fast unmerklich asymmetrischem Halsprofil bequem und leicht beherrschbar.
Man kann freilich darüber streiten, wie sinnvoll die Anordnung der Potiknöpfe beim Testbass gewählt wurde. Der Volumenregler (oberhalb der Klinkenbuchse) ist nur relativ schlecht erreichbar, zumal die kleinen Potiknöpfe recht eng beieinander liegen und auch nicht allzu griffig sind (die griffig strukturierte Rändelung der Knöpfe lieft hier direkt über der Korpusoberfläche und somit genau da, wo man die Knöpfe nicht anfaßt). Da sich gerade bei einem Fretless anbietet, den Volumenregler zum Erzielen von Streicher-Effekten einzusetzen, erscheint die vorliegende, "versteckte" Anordnung des Reglers verfehlt.
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Klangeigenschaften
In der Tat präsentiert sich der Consat Edition vom ersten Ton an als "Sahne-Fretless" und scheint ob seiner tollen Tonqualitäten die Überlegungen des Konstrukteurs zu bestätigen. Dieser Edelbass bringt nämlich schnelle, sensible und präzise Tonansprache mit ausgesprochen gesundem Sustainknurren unter einen Hut; zwei klangliche Qualitäten, die sich normalerweise zu widersprechen scheinen. Bei den üblichen Fretless-Konstruktionen (auch bei den "normalen" Marleaux-Modellen) ist besonders langes Sustain mit einem weichen, eher langsamen Aufschwingen des Tons verbunden, bundlose Bässe mit besonders direkter Tonansprache haben wiederum in aller Regel ihre Probleme mit langem, fülligem Sustain. Die definierte Hals/Korpus-Verbindung mit verringerter Auflagefläche birgt möglicherweise also eine neue Klangzusammensetzung für Fretless-Instrumente, und die Art des beeindruckend knurrigen, langen Sustains bei gleichzeitig luftig-präziser Tonartikulation hebt unseren Marleaux Testbass von der Masse der Fretless-Konstruktionen ab.
Besonders deutlich werden die Sperialqualitäten des Instruments bei den tiefen Saiten. Selbst die H-Saite, normalerweise bei Standard-Mensur in den untersten Lagen gerne etwas schlabberig, artikuliert beim Consat Edition verblüffend differenziert und sauber, steht in der Tonqualität hinter den anderen Saiten keinesfalls zurück! Lediglich die hohe G-Saite erscheint bei diesem Bass einen Hauch spröder und weniger saftig als üblich. Erfahrungsgemäß ist genau das aber der Einfluß von Aluminium als Stegmaterial, so daß dies wohl eher am Steg als an der ungewöhnlichen Hals/Korpus-Verbindung liegen dürfte. Da der Marleaux aber insgesamt trotzdem ausgesprochen homogen und ausgewogen rüberkommt, sollte man die trockenere GSaite als Geschmackslache werten und gegebenenfalls das Instrument mit einem Messingsteg ausstatten lassen.
Während das Instrument rein akustisch auffällig brillant und luftig-offen wirkt, scheinen die Tonabnehmer diesen Höhenreichtum nicht in vollem Maße zu würdigen.
Die klangliche Grundabstimmung des Elektrospunds ist daher eher mild und mittig-bassig, was einer tragenden Rolle des Fretless in der Band gerecht wird und das charakteristische Holzknorren in den Vordergrund stellt. Für solistische Exkursionen ist eine leichte Präsenzanhebung mittels der aktiven Klangregler zu empfehlen. Die drei Klangregler arbeiten effektiv und bei geschmackvoll ausgesuchten Frequenzen, ohne daß jedoch deren Einstellbereich über das praktische Maß verwertbarer Klangvarianten hinausgehen würde. Eine Ausnahme stellt der Baisseregler dar, der vorsichtiger dosiert werden muß, weil ob es fundamentalen Bässedonners, der hier abgerufen werden kann, der Grad der maximalen Anhebung bzw. Abdämpfung reichlich groß gewählt wurde. Eine geringfügige Beschneidung des Wirkungsbereichs würde beim Bässeregler eine wohldosierte Einstellung vereinfachen.
Die Passiv-Einstellung unterscheidet sich von der aktiven auch bei neutral eingestellten Klangreglern und wirkt noch etwas mittenstärker.
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Resümee
Man ist fast geneigt, zu sagen "selbstverständlich", wenn man die tollen Soundqualitäten des neuen Marleaux-Fretless lobt. Denn bislang war noch jedem Testbass dieses Herstellers Spitzenqualität zu bescheinigen, und auch der Consat Fretless Edition gehört fraglos in die Spitzenliga. Durch ungewöhnlichen Konstruktionslösungen ist dem Hersteller eine seltene Synthese aus präzisem, direktem Ansprechverhalten und sehr gesundem, charaktervoll knurrigem Sustain gelungen. Besonders beeindruckend führt dieser Bass seine Fähigkeiten bei der tiefen H-Saite vor, die bis zum Nullbund verblüffend sauber und differenziert artikuliert, und lediglich die hohe G-Saite macht einen geringfügig spröderen Eindruck, was wahrscheinlich in der Materialwahl für den Steg seine Ursache hat. Fretless-Gourmets sollten den neuen Marleaux unbedingt selbst antesten!
Technische Daten
Fabrikat: Marleaux
Modell: Consat Fretless Edition Fünfsaiter
Herkunftsland: Deutschland
Typ: fünfsaitiger, bundloser E-Bass mit Massivkorpus
Mensur: 860 mm, Longscale
Hals: aufgeschraubt; dreistreifig Ahorn mit Ebenholzgriffbrett,
bundlos mit 24 eingelegten Ahorn-Markierungsstreifen
Halsbreite: Nullbund: 44,0; XII. Bund: 65 (mm)
Saitenabstände Steg: einstellbar; Herstellereinstellung 19 mm
Korpus: einteilig Maccoree-Pommele
Oberflächen: Hartlack seidenmatt
Tonabnehmer: passiv; 2x Basstec SB-50 Soapbar-Humbucker
Elektronik: aktiv; Behn-Zweiband- EQ (optional Dreiband)
Bedienfeld: Mastervolumen, PU-Überblendregler, Bässe,
(Mitten), Höhen, Aktiv/Passiv-Umschalter
Batterie: 1 x 9 Volt
Betriebsstrom: ca. 1,2 mA Mechaniken: schwarz; gekapselte Gotoh-Stimmechaniken, ETS Tuning Fork Custom Flachsteg, Schalter Security Locks
Gewicht: ca. 4,5 (kg)
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