Marleaux BassGuitars: Testbericht Consat Custom Bolt On Viersaiter
Testbericht aus "Gitarre & Bass" Heft 12/2007
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Als Kontroversthema hat sich die Frage, ob ein aufgeschraubter Hals hinter einer durchgehenden Konstruktionsweise zurücksteht, längst erledigt: Der Bolt On Neck ergibt andere Klangergebnisse, aber keinesfalls schlechtere. Und so bietet die deutsche Nobelmarke Marleaux auch ihre Spitzenmodelle mit Schraubhals an.
Ohnehin handelt es sich bei hochwertiger Bauweise hier nur um Nuancen, und wer möchte in Frage stellen, daß Marleaux ausgezeichnete Bässe jeder Art baut? Bässe mit durchgehendem Hals liefern in aller Regel ein sehr langes Sustain und einen kultivierten, warmen Ton mit feiner Detailzeichnung. Dem steht die prägnantere, perkussivere Tonartikulation des Schraubhalses gegenüber, welche dem Bass im Bandsound deutlichere Konturen verleihen kann. Welcher Bauweise man den Vorzug gibt, ist schlicht und einfach Geschmackssache und eine Frage der Anwendung. Für lang gehaltene, sustainschwelgende Töne und solistische Präsentation mag man ein edles Instrument mit durchgehendem Hals bevorzugen; wenn es aber darum geht, mit knackigem Attack und scharfen Tonkonturen einen dichten Bandklang zu durchdringen, weisen Bässe mit aufgeschraubtem Hals meist einen Startvorteil auf.
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Konstruktion
Der Custom-Schraubhals ist aus drei schlichten, gerade gewachsenen Ahornstreifen mit dunklen Walnut-Zwischenlagen gebaut; der mittlere Halsstreifen besitzt liegende Jahresringe, die beiden äußeren weisen stehende Ringe auf. Das dicke Ebenholz-Griffbrett ist mit 24 breiten Jumbobünden bestückt. Zusätzlich steht ein Nullbund bereit, so daß der aus Ebenholz gefertigte Sattel nur zur Saitenführung, aber nicht als Leersaitenauflage dient. Die nach hinten abgewinkelte Kopfplatte wurde im Übergangsbereich verstärkt, obwohl diese Stelle nicht durch eine Ausfräsung für die Spannstabmutter geschwächt wird - der Halsspannstab ist beim Marleaux nämlich von der Korpusseite her zugänglich. Auch der dunkel unterlegte Vogelaugenahorn-Belag der Kopfplatte sorgt für zusätzliche Steife des Headstocks. Und da dieser extrem steif und stabil gebaute Longscale-Hals auch noch sechsfach mit dem Korpus verschraubt ist und bis zum Hals-PU in den Body hineinragt, darf man auch bei geschraubter Bauweise mit besonders gesundem Sustain und reichhaltigem Obertonspektrum rechnen. Der elegant geformte Korpus besteht aus zwei mittig zusammengeleimten Stücken des mahagoniartigen Swietenie-Holzes, darauf, mit dunklem Wenge-Furnier abgesetzt, ein Deckenbelag aus edelstem Vogelaugenahorn. Alle Oberflächen sind dünn mit Hartlack versiegelt, und die rückwärtig eingelassenen Deckel für Batterie- und Elektronikfach aus Vogelaugenahorn gefertigt. Materialqualität und Verarbeitung erreichen das höchste Niveau.
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Mechaniken
Auf der Kopfplatte kommen die bewährten, gekapselten Präzisionsmechaniken von Gotoh zum Einsatz. Der hochwertige Flachsteg von ETS bietet für jede Saite dreidimensionale Justiermöglichkeiten ohne störendes Geklapper, weil alle beweglichen Teile nach erfolgter Einstellung durch Klemmschrauben festgesetzt werden. Und arretierbare Sicherheits-Gurthalter sind für einen Edelbass dieses Kalibers eine Selbstverständlichkeit. Die Hardware-Ausstattung des Consat ist fraglos vom Feinsten. Tonabnehmer/Elektronik: Dieser Viersaiter ist mit zwei Bartolini-Humbuckern ausgestattet. Das Ausgangssignal dieser passiven Tonabnehmer kann durch eine aktive Klangregelung in weiten Grenzen variiert werden. Standardmäßig ist der Marleaux mit einer aktiven, programmierbaren Zweiband-Klangregelung von Wolfgang Behn ausgestattet, in unserem Testbass findet sich freilich ein programmierbarer Dreiband-EQ, der gegen Aufpreis optional erhältlich ist. Programmieren lassen sich hier für jeden Klangregler drei verschiedene Centerfrequenzen, was in recht einfacher Weise mit Hilfe eines dreistutigen Minischalters/Tasters geschieht, der gleichzeitig als Bypass- Schalter für den EQ fungiert. Durch die variablen Frequenzbereiche läßt sich der EQ in feinen Nuancen auf den persönlichen Geschmack abstimmen. Allerdings legt die Schaltung einen erheblichen Stromhunger an den Tag, der bei ca. 9,2 mA liegt. Der Betrieb mit Akkus ist dabei wegen deren geringerer Kapazität nicht empfehlenswert, vielmehr sollte man vorsichtshalber eine Reservebatterie bereithalten, um nicht im falschen Augenblick stromlos dazustehen, denn ohne Batterie gibt der Consat keinen Ton von sich.
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Praxis & Handhabung
Am Gurt hängt dieser angenehm leichte Viersaiter perfekt ausbalanciert, gleichermaßen komfortabel wie stabil in jeder Spielposition. Das ausgereifte Consat-Design ist bis zur höchsten Lage ungehindert bespielbar und auch in den tiefsten Lagen entspannt zu beherrschen, ohne den Arm weit ausstrecken zu müssen. Der Hals ist ergonomisch geformt und besitzt ein fast symmetrisches, zu den tiefen Lagen hin eher rundliches D-Profil, welches einer entspannten, sauberen Grifftechnik förderlich ist. Bemerkenswert ist noch, wie niedrig sich bei diesem Marleaux die Saitenlage einstellen läßt, ohne daß störendes Bundscheppern auftritt. Das spricht eindeutig für die hervorragende Qualität und gleichmäßige Höhe der Bundierung. Dieser Viersaiter gehört also auch bezüglich des Spielkomforts zur absoluten Spitzenklasse.
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Klangverhalten
Das sachlich-präzise Anschlagsverhalten erfüllt die klanglichen Erwartungen an einen Schraubhals-Bass, auch wenn das Testinstrument ein bemerkenswert gesundes und reichhhaltiges Sustain aufweist. Interessanterweise ist dieser aus hochwertigen Hölzern gebaute Viersaiterinsgesamt auf einen runden, satten Ton abgestimmt, womit er im aktuellen Trend liegt. Nach Jahren, in denen HiFi-artige Klarheit des Tons und brillante Detailfeinheit als Nonplusultra galten, geht es nun wieder in Richtung Charakterton, und darauf hat sich offenbar auch Marleaux eingestellt. Für das warmtönende Klangfundament darf man wohl den weichen Swietenie-Korpus verantwortlich machen, und auch die intern seriell geschalteten Bartolini-Humbucker unterstützen diesen runden Toncharakter. Warm und rund bedeuten hier aber nicht weich und diffus, da ist die stabil-steife Schraubhalskonstruktion vor. Der homogene Grundsound, der sich für begleitendes und tragendes Bandspiel besonders empfiehlt, präsentiert sich in Ansprache und Beherrschbarkeit ausgesprochen präzise und gut kontrollierbar. Schnelle, hart gespielte Tonfolgen, die sonst bei bassiger Klangeinstellung gerne verwischen, bringt der Consat Bolt On verblüffend prägnant und straff rüber. Außerdem läßt sich die klangliche Grundcharakteristik effektiv und geschmackssicher mit Hilfe der aktiven Klangregler variieren. Bei den programmierbaren Centerfrequenzen handelt es sich freilich nur um feinste, im Bandsound wohl kaum wahrnehmbare Nuancen, die sich höchstens bei Studioaufnahmen heraushören lassen. Aber die Gesamtabstimmung des EQs zeichnet sich durch praxisgerecht bemessene Anhebungen und Abdämpfungen bei sinnvoll ausgewählten Frequenzen aus, so daß quasi jede Einstellungskombination nutzbare, ausgewogene Klangvarianten bei guter Dosierbarkeit hervorbringt. Man darf also auch einzelne Klangregler bis zu ihrem Limit ausnutzen, ohne daß der Sound unmäßig aus den Fugen gerät, und das beschert dem Consat eine gute All-round-Tauglichkeit um einen warmen, homogenen Grundsound herum.
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Resümee
Dieser Schraubhals-Viersaiter ist wieder ein gutes Beispiel dafür, daß die Marke Marleaux ihren erstklassigen Ruf nicht auf Mystik und Werbeversprechungen, sondern auf blitzsaubere, qualitativ hervorragende Handwerksarbeit gründet. Der Consat Custom Bolt On bietet nicht nur erstklassige Holzqualität und perfekte Verarbeitung, sein Design ist auch handhabungsmäßig voll ausgereift und garantiert maximalen Spielkomfort. Der Grundsound dieses Modells liegt im allgemeinen Trend: Ein warmer, charaktervoller Bass-Sound, der sich aber dennoch als straff und präzise erweist, wenn es um die Kontrollierbarkeit des Tons geht. Der günstig abgestimmte Aktiv-EQ benötigt zwar viel Batteriestrom, beschert diesem Viersaiter aber andererseits eine gesunde Allround-Tauglicheit.
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Technische Daten
Fabrikat: Marleaux
Modell: Consat Custom Bolt On
Gerätetyp: viersaitiger E-Bass mit Massivkorpus
Herkunftsland: Deutschland
Mensur: 864 mm, Longscale
Hals: aufgeschraubt; dreistreifig Ahorn mit Ebenholz-Griffbrett, 24 Jumbobünde plus Nullbund
Halsbreite: Sattel: 39.5: XII. Bund: 55 (mm)
Saitenabstände Steg: einstellbar; Hersteller-Justierung 20 mm
Korpus: zweiteilig Swietenie mit Vogelaugenahorn-Decke
Oberflächen: seidenmatt hartlackversiegelt
Tonabnehmer: passiv; 2x Bartolini-Humbucker
Elektronik: aktiv; programmierbarer 2-Band-EQ von Behn (optional 3- Band)
Bedienfeld: Volumen, PU-Überblendregler, Bässe, Höhen, (ggf. Mitten)
Batterie: 1 x 9Volt
Ruhestrom: ca. 9,2 mA
Mechaniken: schwarz; gekapselte Go- toh-Tuner, ETS-Flachsteg dreidimensional justierbar mit Klemmarretierungen, Sicherheits-Gurthalter
Gewicht: ca. 3,4 (kg)
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