Marleaux BassGuitars: Testbericht Marleaux Betra bolt-on Viersaiter
Testbericht aus "Gitarre & Bass" Heft 05/2007
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Moden kommen und gehen, einst sah es so aus, als wäre der Bass ohne Kopfplatte das Modell der Zukunft. Aber dann ging die Mode erstmal wieder rückwärts und die Headless-Idee war mausetot. Aber vielleicht ist jetzt die Zeit reif, dass sich Mutige wieder zu den Vorteilen des kopfplattenlosen Designs bekennen?
Praktisch ist ein kopfloser Bass allemal. Vor allem auf kleinen Bühnen oder im engen Proberaum kann man sich mit einem kompakt-kurzen Headless garantiert sorgloser und freier bewegen. Und das Gigbag kann entsprechend handlicher ausfallen. Doch nicht nur der Praxis-Aspekt spricht für den Headless, auch klanglich scheint er sich anders als die traditionell gebauten Modelle zu verhalten.
Konstruktion
Eine ganze Weile hatte Marleaux nun keinen Betra mehr gebaut, weil einfach das Kopfplatten-Modell Consat viel gefragter war. Der aktuelle Betra wird nun bewusst nicht als reine Slap-Maschine angeboten, sondern soll ein praxisgerechter Allrounder sein. Das in mattweiss lackierte Testinstrument präsentiert sich handlich und schlicht.
Unter dem harten DD-Mattlack verbirgt sich ein Massivkorpus aus dem bewährten Dibetou, das bei dieser Marke für viele Bassmodelle die Grundlage bildet. Der Headless-Hals ist mit dem Korpus sechsfach verschraubt und ragt bis zum Hals-Pickup in den Body hinein, wodurch sich eine sehr stabile Verbindung mit großer Kontaktfläche ergibt. Die Halskonstruktion ist einstreifig aus hartem Rock Maple, im dicken Ebenholz-Griffbrett sitzen 24 relativ flache Jumbo- Bundstäbchen. Griffiger Seidenmattlack versiegelt die Halsrückseite, und rundum zeigt sich der Betra tadellos akkurat verarbeitet. Allerdings wird für die spezielle „Stumpfmatt“-Korpuslackierung ein Aufpreis fällig.
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Mechaniken
Der Saitenhalter am kopflosen Halsende ist massig aus Messing gebaut und in der Rundung perfekt an das Halsprofil angepasst. Der Hersteller hat Doubleballend-Saiten aufgezogen, am Saitenhalter sind aber auch Gewinde für Klemmschrauben vorhanden, so dass ggf. auch normale Longscale-Saiten verwendet werden können. Alle Metallteile werden präzise von ETS gefertigt, wobei allerdings der teilweise recht schwergängig arbeitende Tunerblock kein typisches Exemplar ist. Womöglich sind hier Metallspäne eingeklemmt oder einige Schrauben zu fest angezogen?
Der Steg bietet für jede Saite dreidimensionale Justiermöglichkeiten, Klemmschrauben setzen danach alle beweglichen Teile fest, so dass sich das Gesamtgebilde dann quasi wie ein Massivteil verhält. Damit der Betra nicht unerlaubt vom Gurt flutschen kann, sind Schaller Security Locks als Gurthalter montiert.
Tonabnehmer, Elektronik
Zwei Soapbar-Humbucker von Delano sorgen für nebengeräuschfreie Saitenabtastung. Für die Pickup-Mischung ist ein Überblender vorhanden, so dass man die Lautstärke bequem am einzelnen Mastervolumen-Regler im Griff hat. Per Kippschalter lässt sich ein aktiver Dreiband-EQ einschalten, der für Marleaux von Wolfgang Behn gebaut wird. Die EQ-Potis rasten in der klangneutralen Mittelstellung exakt und deutlich fühlbar ein, der Betra ist mit kleinen, griffigen Potiknöpfen bestückt.
Im Elektronikfach sieht es ausgesprochen aufgeräumt aus, die Verdrahtung blitzsauber ausgeführt und die Platine mit der Klangregelschaltung sicher im Korpusholz verschraubt. Eine lückenlose Auskleidung des Fachs mit Kupferfolie schirmt die Schaltung vor Stör-Einstreuungen ab. Die notwendige 9-Volt-Batterie sitzt in einem eigenen, kleinen Fach im oberen Korpusflügel, sämtliche Deckelschrauben greifen in eingelassene Gewindemuffen, damit sie auch nach vielen Jahren noch sicher packen. Bei einer Stromaufnahme von ca. 1,6 mA dürfte der EQ mit einer Alkaline-Batterie mehr als 300 Spielstunden arbeiten.
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Handhabung
Die ganz große Stärke des Headless-Designs liegt im Spielkomfort. Kopflastigkeit kann es allein deshalb nicht geben, weil keine Kopfplatte vorhanden ist, und absolut willig und stabil fügt sich der Betra in jede gewünschte Spielhaltung. Dieser Longscale-Viersaiter wiegt kaum mehr als 3 kg, entsprechend wenig spürt man von dem Instrument am Gurt! Bequemer geht es nicht, und mit einem solchen Instrument bleibt auch nach stundenlangem Einsatz der Spielspaß erhalten.
Sehr bemerkenswert ist auch die extrem niedrige Saitenlage, die der Marleaux ohne störendes Bundscheppern bieten kann. Das spricht für die Präzision der Bundierung. Damit man bei allem Komfort und aller Leichtgängigkeit trotzdem noch etwas spürbares in der Hand hält, besitzt der Betra nicht den dünnstmöglichen Hals, sondern ein eher fettes, halbrundes Halsprofil. Für Spieler mit sehr zierlichen Fingerchen könnte der Hals womöglich stärker abgeflacht sein, aber in trainierten Händen fühlt sich der Betra vorteilhaft solide an. Tja, und irgendwie reizt dieser leicht beherrschbare Viersaiter dann doch zum Slappen, wobei die hervorragende Bespielbarkeit natürlich auch in jeder anderen Spieltechnik sehr angenehm ist.
Gewöhnungssache ist beim Betra die Anordnung der Regler. Normalerweise sind Volumen und Überblender am besten erreichbar, was ja auch im Sinne schnellen Zugriffs ist. Bei Marleaux liegt der Überblender jedoch eher „versteckt“, nämlich neben der Klinkenbuchse. Da aber alle Potis mit ausreichend langen Zuleitungen verdrahtet sind, dürfte im Falle des Falles ein Umtausch der Potipositionen keine Probleme machen.
Klangverhalten
Zu den besonderen Eigenarten guter Headless-Bässe gehört der direkt ansprechende, Sustain-starke und obertonreiche Klang. Irgendwie scheint eine Kopfplatte den Ton doch „langsamer“ zu machen, denn auch unser Testbass punktet auf Anhieb mit ausgesprochen frischer Lebendigkeit und Schwingfreude. Die Tonansprche ist – auch durch die niedrig einstellbare Saitenlage – von hochpräziser Direktheit und entwickelt über´s ganze Griffbrett eine bemerkenswerte Gleichmäßigkeit. Die sonst bei hölzernen Bässen mit Kopfplatte üblichen Deadspots lassen sich hier beim besten Willen nicht finden, und so ist der Betra nicht nur ein optimales Instrument für flinke Flitzer, sondern beweist auch beim getragenen Legato-Spiel eine hohe Kultiviertheit.
Die Soapbar-Humbucker von Delano präsentieren den drahtig-obertonreichen Holzton mit prägnanter Nasalnote, und das nicht nur über den Steg-Pickup, sondern auch in der Halsposition. Damit setzt sich der Betra ungemein offensiv und treibend im Bandsound durch. Bringt man den Überblender jedoch in die Mittelstellung, wird durch Auslöschung genau diese Mitten-Nase wirkungsvoll abgedämpft, so dass ein Punch-kräftiger, trockener Funksound bereit steht. Selten fällt der Unterschied zwischen den Einzel-PU-Einstellungen und der Parallelschaltung so extrem aus, und das beschert diesem Headless bereits ohne EQ-Einsatz eine hohe Klangvariabilität.
Sehr gezielt und präzise greift der Dreiband-EQ ins Klangbild ein. Der Höhenregler ist dabei für den silbrig-metallischen Anschlagsklick zuständig und lässt auch bei extremer Dosierung die benachbarten Frequenzen unbeeinflusst. Auch der Bässeregler fokussiert scharf den knackigen Punch, der auf die Magengrube zielt. Selbst bei voller Bassanhebung bleiben hier die konkreten Tonkonturen straff erhalten. Ausgesprochen wirkungsstark gibt sich auch der Mittenregler, der wiederum sauber abgegrenzt den aggressiven Growl bearbeitet oder bei Absenkungen einen umso trockeneren Clean-Ton erzeugt, ohne den Punch-Druck herauszunehmen. Der Behn-EQ vermittelt durch seine besonders präzise Abgrenzung der Bereiche ein sehr klares, gut kalkulierbares Einstellgefühl.
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Resümee
Es ist an der Zeit, das aus der Mode geratene Headless-Konzept wieder gebührend zu würdigen. Denn wie der Betra-Viersaiter eindrucksvoll vorführt, ist ein Headless nicht nur extrem komfortabel in der Handhabung, sondern hat auch seine ganz eigenen Klangstärken. Bei der hochpräzisen und direkten Tonansprache fällt nämlich auf, dass die üblichen Deadspots hier fehlen, so dass man auf jeder Saite und in jeder Lage mit bemerkenswert gleichmäßiger Schwingfreude und reicher Obertonentwicklung rechnen darf. Der Headless-Ton wirkt einfach generell schneller und lebendiger, und genau diese Frische müsste doch eigentlich viele Bassisten überzeugen, sich mal wieder einen Bass ohne die lästige Kopfplatte umzuhängen!
Plus
Sehr lebendiges Klangverhalten
Präzise Tonansprache
Bespielbarkeit, geringes Gewicht
Ausstattung, Holzqualität
Verarbeitung
Minus
Anordnung Tonabnehmer-Überblender
Tunerblock z. T. schwergängig
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Übersicht
Fabrikat: Marleaux
Modell: Betra 4 bolt on
Gerätetyp: viersaitiger E-Bass mit Massivkorpus
Herkunftsland: Deutschland
Mensur: 865 mm, Longscale
Hals: aufgeschraubt; einstreifig Ahorn mit Ebenholz-Griffbrett, 24 Bünde + Nullbund
Halsbreite: Nullbund 40 mm, 12. Bund 55 mm
Saitenabstände Steg: einstellbar; Herstellerjustierung 19 mm
Korpus: Dibetou
Oberflächen: DD-Mattlack
Tonabnehmer: passiv; 2x Delano Soapbar-Humbucker
Elektronik: aktiv; Marleaux/Behn 3-Band-Equalizer
Bedienfeld: Volumen, PU-Überblender, Aktiv/Passiv-Schalter, Bässe, Mitten, Höhen
Batterie: 1x 9 Volt
Stromaufnahme: ca. 1,6 mA
Mechaniken: Messing/schwarz; ETS-Saitenhalter, ETS 3D Tuner/Steg-Kombination mit Klemmarretierungen, Schaller Security Locks
Gewicht: ca. 3 kg
Linkshändermodell: auf Anfrage
Vertrieb: Marleaux, D-38678 Clausthal-Zellerfeld
Internet: www.marleaux-bass.de
Preis: ca. € 2300 (inkl. 180 €
Aufpreis für Stumpfmatt-Lackierung)
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